Jim Jarmusch

2013.JarmuschIn unseren Kinos ist zurzeit sein neuer Film zu sehen: ONLY LOVERS LEFT ALIVE. Es ist sein elfter Spielfilm als Autor und Regisseur. Jim Jarmusch (*1953) gilt in Deutschland als klassischer amerikanischer Independent-Regisseur. 2012 hat Sofia Glasl mit einer Dissertation über „JJ als Kartograph von Popkultur“ in München promoviert. Mit großer Genauigkeit und vielen Querverbindungen analysiert sie COFFEE AND CIGARETTES und THE LIMITS OF CONTROL als Schlüsselfilme in Jarmuschs Werk, GHOST DOG und DEAD MAN als Genrefilme, DOWN BY LAW und BROKEN FLOWERS als Literarische Plateaus, MYSTERY TRAIN und NIGHT ON EARTH als Studien synchronen Erzählens und STRANGER THAN PARADISE und PERMANENT VACATION als Negative des Hollywoodfilms. Die Filmanalysen verstecken sich nicht hinter einem theoretischen Überbau. Die Autorin ist den Filmen mit großer Empathie verbunden. Das macht ihren Text so lesenswert. Mit 30 Abbildungen und einem überschaubaren Literaturverzeichnis. Mehr zum Buch: kartograph-von-popkultur.html

Fotografien von F. W. Murnau

2013.MurnauEr starb 1931, mit 42 Jahren, nach einem Autounfall auf der Küsten-straße von Santa Barbara. In diesen Tagen kann man seinen 125. Geburtstag feiern. Er war einer der großen Regisseure der 1920er Jahre: Friedrich Wilhelm Murnau. Bekannt sind vor allem seine Filme NOSFERATU, DER LETZTE MANN, FAUST, SUNRISE. Zu seinen privaten Leidenschaften gehörten das Fotografieren und der Umgang mit jungen Männern. Das Schwule Museum in Berlin hat dies zum Thema einer Ausstellung gemacht, die noch bis zum 10. März zu sehen. Das Buch dazu ist bei Schirmer/Mosel erschienen. Es enthält 84 Abbildungstafeln in Duotone aus den Jahren 1926 bis 1931, aus Berlin, Amerika und der Südsee. Sie stammen aus dem Murnau-Nachlass, der in der Deutschen Kinemathek verwahrt wird. Besonders schön finde ich die 16 Stadtfotos aus New York + Los Angeles und die Schnappschüsse  von Ernst Lubitsch, Rochus Gliese, Johnny Weissmüller, Salka Viertel + Françoise Rosay, Douglas Fairbanks Jr. und das Selbstportrait von Murnau an der Schreibmaschine auf seiner Yacht „Bali“. Ein kurzes Vorwort stammt von Rainer Rother, Ernst Szebedits und Michael Wedel. Sehr lesenswert ist der einführende Text von Guido Altendorf, Werner Sudendorf und Wolfgang Theis: „Vom Tod und Nachleben Friedrich Wilhelm Murnaus“. Der Anhang enthält zwei Textdokumente von Ruth Landshoff-Yorck („Begegnung auf dem Schulweg“) und Berthold Viertel („Murnau. Zum Tod des Filmregisseurs“). Mehr zum Buch: 47&products_id=732

Thriller

2013.ThrillerDer 16. und neueste Band der Reclam-Reihe „Filmgenres“ ist dem Thriller gewidmet. Thomas Koebner und Hans Jürgen Wulff zeichnen gemeinsam als Herausgeber. Sie haben mit 35 Autorinnen und Autoren zusammengearbeitet. Mit 512 Seiten ist der Band genauso umfangreich wie der Komödien-Band. 116 Filme aus der Zeit zwischen 1933 und 2011 werden in chronologischer Reihenfolge vorgestellt. Natürlich dominieren die USA mit 73 Titeln, gefolgt von Frankreich (18) und Großbritannien (13). Aus Deutschland kommen drei Filme: DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE (1933) von Fritz Lang, SUPERMARKT (1974) von Roland Klick und ABWÄRTS (1984) von Carl Schenkel. Die Mehrzahl der Texte – sie sind in der Regel drei bis vier Seiten lang – kommt den Filmen sehr nahe und lässt sich gut lesen. Viele der Autorinnen und Autoren sind mir bisher unbekannt. Man wünscht ihnen die Möglichkeit, auch weiterhin zu schreiben. Titelbild: Noomi Rapace in dem Film VERDAMMNIS von Daniel Alfredson. Mehr zum Buch: Thriller

Martin Scorsese

2013.ScorseseAls die herausragende Martin Scorsese-Ausstellung zu Beginn des Jahres im Berliner Museum für Film und Fernsehen stattfand, gab es leider keinen Katalog. Der wurde zur folgenden Station im Museo Nationale del Cinema in Turin nachgeliefert, herausgegeben von den Berliner Kuratoren Kristina Jaspers und Nils Warneke in der Silvana Editoriale. Er gliedert sich in die neun Ausstellungssegmente: Family, Brothers, Men and Women, Lonely Heroes, New York, Cinema, Cinematography, Editing und Music. Im Katalog enthalten sind Gespräche mit Martin Scorsese, der Kostümbildnerin Sandy Powell und dem Kameramann Michael Ballhaus sowie zwei informative Texte von Rainer Rother und Kristina Jaspers + Nils Warnecke. Der Anhang enthält eine Filmografie. Texte in Italienisch und Englisch. Das Schönste an diesem Buch sind natürlich seine Abbildungen: Filmfotos, Storyboards, Plakate, Fotos von Exponaten. Schade, dass es das Buch nicht schon zu Beginn des Jahres gab. Aber, wie man so sagt: es ist ja nie zu spät. Zurzeit ist die Ausstellung im Caermersklooster in Ghent zu sehen: martin-scorsese. Mehr zum Buch: asp?id=3800 / Vorgestern hatte Scorseses neuer Film WOLF OF THE WALL STREET Premiere.

Hanna Schygulla

2013.SchygullaHeute feiert Hanna Schygulla ihren 70. Geburtstag. Sie hat sich dazu eine Autobiografie geschenkt oder von Lothar Schirmer schenken lassen. Ein ungewöhnliches Titelfoto: Hanna mit geschlossenen Augen (Foto: Lilian Birnbaum, 1992). Ein schöner Titel: offenbar ein Zitat von Peter von Becker. Ein berührendes Buch. Wenn ich ihm drei Adjektive zuschreiben darf, dann wären das: zärtlich, diskret, bescheiden. Teile ihres Textes erschienen 1981 bei Schirmer/Mosel und ließen sich mühelos in die Autobiografie integrieren. Da ging es vor allem um die Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder. Neu: das sind die vergangenen 32 Jahre, die Arbeit mit ganz unterschiedlichen Regisseuren (Godard, Ferreri, Guerra), Begegnungen mit Helmut Newton, Alicia Bustamante, Gabriel Garcia Márquez, die Arbeit mit ihrer Schauspielschülerin Anika Dressler, das Leben in Paris, die Betreuung ihrer kranken Mutter, die Sorge um den Vater, auch Rückblicke in die Kindheit und Jugend, Monate im Rollstuhl, Reminiszenzen an Stéphane Hessel und Eugen Bavcar, Überlegungen zu einem Umzug nach Berlin und neue Erinnerungen an RWF. Das letzte Kapitel heißt „Ende gut, alles gut“. Es gibt keine feste Chronologie, sondern eine Vorliebe für Assoziationen. Viele kleine Bilder. Claudia Lenssen hat für den Tagesspiegel eine schöne Rezension des Buches geschrieben: 8960070.html Mehr zum Buch: info.php?cPath=39&products_id=725

Weihnachtsgruß aus Paris

 

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HERZLICHE WEIHNACHTSGRÜSSE AUS PARIS

Hans Helmut Prinzler + Antje Goldau

 

Pasolini-Ausstellung in Paris

2013.PasoliniIn der Cinémathèque française ist zurzeit eine Ausstellung über Pier Paolo Pasolini und sein Verhältnis zur Stadt Rom zu sehen. Sie gliedert ihr Thema in sechs Stationen und zeigt Zeugnisse aus 25 Jahren Lebens-geschichte des itaienischen Autors und Regisseurs: Fotos und Filmausschnitte, Manuskripte, Drehbücher und Briefe, Film- und Fernsehinterviews, Stadtpläne, einen Schneidetisch, ein Auto. Es ist natürlich auch eine Reise durch Pasolinis Filme: von ACCATTONE, MAMMA ROMA, LA RICOTTA, und UCCELLACCI E UCCELLINI bis zur späten Trilogie und SALÒ, die mir immer noch relativ fremd sind. An drei oder vier Stellen kommt das Rom von 2013 ins Bild. Ab 11. September 2014 ist die Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen. Ihre erste Station war Barcelona, vor Berlin geht sie logischerweise noch nach Rom. In guter Erinnerung ist mir die Pasolini-Ausstellung des Schwulen Museums zum Jahresbeginn 2012. Die neue Ausstellung ist größer, aber konventioneller. Gerhard Midding hat darüber in der Berliner Zeitung und in epd Film geschrieben, die Texte stehen leider nicht im Netz. Mehr zur Ausstellung: pasolini-roma/exposition.html

Ein europäischer Weihnachtsfilm

2013.WeihnachtsfilmEs gibt, das weiß man, sehr viel mehr amerikanische als englische, französische oder deutsche Weihnachts-filme. Noch immer steht bei mir Anke Sterneborgs Text über Weihnachten im Film im Netz (zauber-und-realitat/ ). Auf der Suche nach einem französischen Weihnachts-film (wir sind gerade in Paris) stieß ich auf MERRY CHRISTMAS/JOYEUX NOEL (2005) von Christian Carion. Der Film spielt am Heiligabend 1914 an der westlichen Kriegsfront. Das Singen von Weihnachtsliedern führt zu einer kurzfristigen Verbrüderung von französischen, schottischen und deutschen Soldaten. Mit Benno Fürmann, Diane Krüger, Guillaume Canet und Daniel Brühl. Angesichts des großen Themas relativ subtil in der Erzählform und erstaunlich unsentimental. Mehr zum Film: Merry_Christmas_(Film)

Romy & Alain

2013.Romy & AlainVor fünf Jahren hat der Wiener Film-historiker Günter Krenn im Aufbau Verlag eine hervorragende Romy Schneider-Biografie publiziert: bestens recherchiert, gut geschrieben. Jetzt lässt er dem umfänglichen Buch ein kleineres folgen: die Geschichte der kurzfristigen Liebe und späteren Freundschaft zwischen Romy und Alain Delon. Die beiden haben sich 1958 bei den Dreharbeiten zu CHRISTINE (Regie: Pierre Gaspard-Huit) kennen gelernt und in den folgenden Jahren in fünf Filmen zusammen gespielt. Zu den bekanntesten gehört LA PISCINE/DER SWIMMINGPOOL (1968/69) – da war ihre aber Liebesgeschichte bereits zu Ende. Romy und Alain gehörten in den 1960er und 70er Jahren zu den großen europäischen Stars. Krenn beschreibt mit Diskretion und Respekt das Miteinander und Nebeneinander der beiden. Er hat (das belegen 433 Fußnoten) noch einmal intensiv geforscht. Es geht dabei um die Einflüsse des Stiefvaters Hans Herbert Blatzheim und der Mutter Magda, von denen sich Romy befreien wollte, um die Arbeit mit Fritz Kortner, Luchino Visconti, Orson Welles, Claude Sautet und das parallele Leben von Alain Delon. Delon gibt es noch, Romy starb 1982, also vor mehr als 30 Jahren. Mehr zum Buch: romy-und-alain.html

Kira Muratova

2013.Kira MuratovaKira Muratova (* 1934) ist eine experimentierfreudige russische Filmregisseurin, die inzwischen 15 eigene Spielfilme realsiert hat. Ich habe leider nur zwei davon gesehen, DAS ASTHENISCHE SYNDROM (1989) und KLEINE LEIDENSCHAFTEN (1994). Das Buch von Isa Willinger, erschienen in der Reihe „kommunikation audiovisuell“ der HFF München, macht neugierig auf weitere Filme, die in den letzten Jahren teils ins Russland, teils in der Ukraine entstanden sind. Die Autorin hat für ihre zehn Kapitel schöne Überschriften gefunden: „Subversion und körperliche Affizierung“, „Ritus, Gender, Formalismus“, „Zersetzung total“, „Leiche im Koffer: Täuschung und Tod“, „Figuren des Performativen“, „Groteske Welten“, „Ohrensausen: die Tongestaltung“, „Weibliche Selbstinszenierung, entblößte Männer“, „Zirkustricks und Eisensteins Attraktionsmontage“. Jedem Kapitel sind ein, zwei oder drei Filme zugeordnet, die von Willinger sensibel interpretiert werden. Der Anhang enthält eines der seltenen Interviews mit Muratova und ihrem Ausstatter Evegenij Golubenko und eine kommentierte Filmografie. Unbedingt lesenswert, wenn man sich für den osteuropäischen Film interessiert. Mehr zum Buch: 5f595d4e2c729e5d5061/