Weihnachtsgeschenk 3: 101 Kultfilme

2016-101-kultfilmeSo richtig definieren lässt sich offenbar nicht, was ein „Kult-film“ ist. Der Herausgeber Steven Jay Schneider nennt als Kriterien: „obskur“, „exzen-trisch“, „umstritten“, „absolut schräg“. Natürlich ist dann die ROCKY HORROR PICTURE SHOW ein Musterbeispiel, und auch EASY RIDER kann man als Kultfilm-Klassiker sehen. Aber warum BLOW UP von Michelangelo Antonioni und PERSONA von Ingmar Bergman dazu zählen sollen, leuchtet mir nicht unbedingt ein. David Lynch, Ed Wood, John Waters, Russ Meyer gehören schon eher in die Kultecke. Das Buch mit den 101 Kultfilmen, die man sehen soll, „bevor das Leben vorbei ist“, liegt jetzt in einer dritten Auflage vor. Jedem Film sind vier Seiten gewidmet, zwei Bild-, zwei Textseiten. Die Kommentare stammen von 16 Autorinnen und Autoren, sie sind durchaus informativ. Vier deutsche Filme wurden bei der Auswahl berücksichtigt: ANGST ESSEN SEELE AUF von Rainer Werner Fassbinder, FITZCARRALDO von Werner Herzog, DER HIMMEL ÜBER BERLIN von Wim Wenders und LOLA RENNT von Tom Tykwer. Auch da ließen sich noch andere Titel finden. Aber das Buch hat seine Qualitäten und ist ein schönes Geschenk für Filmfans, die sich über die Kriterien des „Kultfilms“ Gedanken machen möchten. Coverfoto: THE BIG LEBOWSKI. Mehr zum Buch: 101_kultfilme_3rd_edn

Weihnachtsgeschenk 2: 1001 Fernsehserien

2016-1001-fernsehserienEs gibt vermutlich nie-manden, der alle 1001 Fernsehserien und Shows gesehen hat, die in diesem bebilderten Lexikon auf 960 Seiten in Erinnerung gerufen werden. Sie sind nach Jahrzehnten geord-net, beginnend mit der Zeit vor 1960 („The Ed Sullivan Show“, HOPALONG CASSIDY, THE TEXAS RANGERS), endend mit VINYL (seit 2016). Über-wiegend sind es amerika-nische und englische Produktionen, Deutsch-land ist mit rund 30 Titeln vertreten (u.a. TATORT, DIE SCHWARZ-WALDKLINIK, BERLIN ALEXANDERPLATZ von Fassbinder, HEIMAT von Edgar Reitz, WEISSENSEE oder die frühe Talkshow „Je später der Abend“). Oft werden einzelne Folgen empfohlen. Es wird vermerkt, von wann bis wann es die Serie/Show gegeben hat, von wem sie ausgestrahlt wurde, wer die Hauptrollen spielte oder moderierte. Ganz vorn steht ein alphabetischer Titelindex, ganz hinten ein Genre-Index. Die Texte stammen von 64 Autorinnen und Autoren, sind pointiert geschrieben, setzen Schwerpunkte. Ein schönes Geschenk für Menschen, die an Fernsehgeschichte interessiert sind, und natürlich all die Serien-Junkies, für die das Buch zur Bibel werden könnte. Coverfoto: GAME OF THRONES. Mehr zum Buch: 1001_tv_serien

Weihnachtsgeschenk 1: Das Filmbuch

2016-das-filmbuchDas Buch unternimmt eine Reise durch die Kino-geschichte und zeigt ihren Reichtum mit der Präsen-tation von 116 beispielhaften Filmen, beginnend 1902 mit der REISE ZUM MOND von Georges Méliès, endend 2014 mit BOYHOOD von Richard Linklater. Sechs Kapitel geben die Struktur vor: „Visionäre“ (1902-1931), „Goldene Zeiten in Schwarz-weiß“ (1931-1949), „Furcht und Staunen“ (1950-1959), „Rebellion“ (1960-1974), „Engel & Monster“ (1975-1991), „Kleine Welt“ (1992-heute). Jedem Kapitel ist eine Zeitachse mit einem entsprechenden Kommentar vorangestellt. Fünf britische Autoren haben die Texte verfasst: Danny Leigh, Louis Baxter, John Farndon, Kieran Grant und Damon Wise. Sie sind sachkundig und informativ. Bei der Auswahl der Filme dominieren die USA und Westeuropa. Immerhin ist der für mich wichtigste Film dabei: DIE REISE NACH TOKIO von Yasujiro Ozu. Zu jedem Film gibt es „Kontexte“ zum Genre, zu Regisseur und Darstellern und Hinweise zu „früher“ und „später“. Porträts, Plakate und Szenenfotos fügen sich zu einem großen Bilderreichtum. Der Anhang enthält Hinweise auf „weitere sehenswerte Filme“.Ein schönes Geschenk für Menschen, die sich über die Geschichte des Films informieren wollen und noch nicht alles darüber wissen. Mehr zum Buch: das_film_buch-2787/

Illustrierte Presse in der Weimarer Republik

2016-deutsche-illustrierte-presseBand 1 der neuen Schriftenreihe „Mediengeschichte“, heraus-gegeben von Susanne Lache-nicht, Professorin an der Uni-versität Bayreuth, im Nomos Verlag. Gewidmet ist das Buch dem Fotohistoriker Diethart Kerbs (1937-2013). Es geht um Journalismus und visuelle Kultur in der Weimarer Republik. 17 Beiträge geben einen interes-santen Überblick zum Thema. Mir haben – abgesehen von der klugen Einführung des Heraus-geberteams Katja Leiskau, Patrick Rössler & Susann Trabert – acht Essays besonders gefallen. Madleen Podewski richtet den Blick auf illustrierte Magazine als Verhandlungsorte visueller Kultur („Zwischen Sichtbarem und Sagbarem“). Elke Grittmann und Thomas Birkner entwickeln ein theoretisch-empirisches Konzept zur Erforschung von Berufsfeld und Selbstverständnis des Fotojournalismus in der Weimarer Republik. Roland Jaeger untersucht den Stand der modernen Fotografie am Beispiel von Schünemanns Monatsheften (1927-29). Bei Patrick Rössler geht es um Magazine und die „neue Frau“ im Film („Stars und Sternchen“), bei Änne Söll um Mode und Männlichkeit in den Lifestyle- und Männermodezeitschriften der 1920er und frühen 30er Jahre. Daniela Gastell informiert über den Propyläen-Verlag und die Zeitschrift Querschnitt, Andreas Zeising erinnert an die Bildkonfrontationen im Querschnitt. Roland Jaeger beschäftigt sich mit der Fotografie in Anzeigen der illustrierten Presse am Beispiel von Die Woche. In der Summe ein wichtiger Band zur publizierten Fotografie in der Weimarer Republik. Mit Abbildungen in akzeptabler Qualität. Mehr zum Buch: product=26891

Im Banne der roten Hexe

2016-im-banne-rote-hexeWerner Dütsch war mehr als drei Jahrzehnte Film-redakteur beim WDR und hat dort hervorragende Arbeit geleistet. In dem Buch „Im Banne der roten Hexe“ erinnert er sich an seine Kindheit und Jugend, vor allem an die Filme, die er damals gesehen hat. Er ist Jahrgang 1939, also ein Jahr jünger als ich, in Düsseldorf geboren, aufgewachsen in Hüls, das später mit Marl fusioniert wurde. Die Kinos dort, das Deli, das Germania, das Viktoria (mit der Platzanweiserin Edith, die ihm „wohl-gesonnen“ war), das Loe-Theater, haben ihn filmisch sozialisiert. Die Kapitel des Buches sind kurz, sie wirken assoziativ und handeln unter anderem von der Schwierigkeit, Geld für den Kinobesuch zu beschaffen, vom Western, von Republic und Gloria, vom katholischen Filmdienst, vom Wasser in Marl und im Film, von Ölfilmen, einem Zauberkünstler, Duellen, Farbe und Schwarzweiß, Helmut Käutner, Montgomery Clift, Lars Ekborg, James Dean, Donald Crisp, Errol Flynn und Gary Cooper, von dem Wort „Jude“, vom Neorealismus, von Überblendung, Jazz, Filmbüchern, einer Reise nach Paris, der Zeitschrift Filmkritik, Filmclubs, Eva M. J. Schmid (der Leiterin des Filmclubs in Recklinghausen), Eisenstein, Hitchcock und der Tatsache, dass fast alle Filmtitel im Buch die deutschen Verleihtitel sind, weil sie so in Erinnerung geblieben sind. Der Film DIE KINDER VON MARA MARA blieb für Werner Dütsch leider nur ein Versprechen, er hat ihn damals nicht gesehen. Für mich gehörte er – 1949 im „Capitol“ in Dahlem – zu den frühesten Filmen in meinem Leben. Der Film IM BANNE DER ROTEN HEXE (Titelcover) hieß im Original WAKE OF THE RED WITCH, die Hauptrollen spielten John Wayne und Gail Russell, auch ihm ist ein Kapitel gewidmet. „Kino als Lebensmittel“ heißt dieses wunderbare Buch im Untertitel. Ich hoffe sehr, dass es eine Fortsetzung gibt. Mehr zum Buch: 80177pi0

Sechs Filme zum Jubiläum der Murnau-Stiftung

2016-dvd-box-murnau-stiftungSeit fünfzig Jahren gibt es die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden. Sie ist für die Pflege und Auswertung des deutschen Filmerbes der frühen Jahrzehnte zuständig, in Einzelfällen bis in die 1960er Jahre, dazu gehören rund 2.000 Stummfilme und 1.000 Tonfilme. Zum Jubiläum ist bei „Studio-Hamburg-Enterprises“ eine Box mit sechs Filmen aus fünf Jahrzehnten erschienen, die unbedingt zu empfehlen ist. Mit ZAPATAS BANDE (1914) von Urban Gad und ALS ICH TOT WAR (1916) von Ernst Lubitsch sind zwei Filme dabei, die lange als verschollen galten, der Lubitsch-Film sogar in einer Farbfassung. Im beigefügten Booklet widmet Heide Schlüpmann den beiden Filmen zwei sachkundige Texte. ASPHALT (1929), ein später Tonfilm von Joe May, war in verschiedenen Retrospektive zu sehen. Er erzählt die Liebesgeschichte eines Polizisten (Gustav Fröhlich) und einer Juwelendiebin (Betty Amann), die mit einem Autocrash beginnt. Gedreht im Studio in Babelsberg. Der informative Text im Booklet stammt von der SPIO-Geschäftsführerin Christiane von Wahlert. VIKTOR UND VIKTORIA (1933), ein früher Tonfilm von Reinhold Schünzel, ist eine musikalische Komödie zum Thema Geschlechtertausch mit Renate Müller, Hermann Thimig und Adolf Wohlbrück. Rainer Rother hat darüber einen lesenswerten Text geschrieben. Das Melodram ROMANZE IN MOLL (1943) stammt von Helmut Käutner. Die Hauptrollen spielen Marianne Hoppe, Ferdinand Marian und Paul Dahlke. Von Christian Petzold stammt der sehr zugeneigte Text im Booklet. Und schließlich: MADELEINE UND DER LEGIONÄR (1958) von Wolfgang Staudte, ein eher unbekannter Film mit Hildegard Knef, Bernhard Wicki und Hannes Messemer, der die Genres Melodram und Abenteuerfilm verknüpft. Text: SPIO-Präsident Alfred Holighaus. Alle sechs Filme wurden aufwändig restauriert und digitalisiert. Ein schönes Jubiläumsgeschenk der Murnau-Stiftung. Mehr zur DVD-Box: de/node/5061

Peter Alexander

2016-peter-alexanderEr war ein Star im west-deutschen und österrei-chischen Film der 1950er und 60er Jahre. Seine Partnerinnen waren damals Caterina Valente, Bibi Johns, Waltraud Haas, Germaine Damar, Vivi Bach und Cornelia Froboess. Peter Alexander (1926-2011) spielte in Komödien, Schlagerfilmen, Operetten-filmen und Heimatfilmen die Hauptrollen. Man konnte sicher sein, dass es ein Happyend gab. Sein wichtigster Regisseur war Geza von Cziffra, aber auch mit Paul Martin und Werner Jacobs hat er viel zusammengearbeitet. 1972 drehte er seinen letzten Kinofilm: HAUPTSACHE FERIEN mit Christiane Hörbiger und Theo Lingen. Danielle Willert hat für ihre Großmutter „und all jene, denen Peter Alexander ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat,“ im Sutton Verlag ein Buch über ihn publiziert, das vor allem aus Fotos besteht. Man sieht auf den 120 Seiten, wie wenig er als Schauspieler gefordert war – außer wenn er Frauenrollen spielte, zum Beispiel in CHARLEYS TANTE (1963). Diesem Thema ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Ein Buch für Nostalgiker. Coverfoto: IM WEISSEN RÖSSL mit Waltraud Haas. Mehr zum Buch: Peter-Alexander-in-seinen-schoensten-Filmen

Neue Filmkunst Resurrected

2016-neue-filmkunst-grossDen Verleih „Neue Film-kunst Walter Kirchner“ gab es von 1953 bis 1975. Er hat mir den Zugang zu vielen wichtigen Filmen ermöglicht. In meinem Archiv stehen alle 90 Hefte der „kleinen Film-kunstreihe“, beginnend mit ADEL VERPFLICH-TET (Redaktion: Werner Schwier, 1957), endend mit der DREIGRO-SCHENOPER (Redaktion: Werner Hecht, 1973). In den 60er Jahren war häufig Hans-Dieter Roos für die Redaktion verantwortlich, nach seinem Tod übernahmen Frieda Grafe und Enno Patalas diese Funktion. Im Metropolis Kino in Hamburg fand kürzlich eine Retrospektive mit Filmen aus dem damaligen Verleih statt, Jörg Schöning hat dazu einen Katalog zusammengestellt, der bei der edition text + kritik verlegt wurde. In den Texten geht es um Walter Kirchner und seine Verleihpolitik, um die Plakate von Hans Hillmann (der äußert sich dazu in einem langen Gespräch mit Christoph Hochhäusler), um die Programmhefte und vor allem um die Filme selbst. 40 in Hamburg gezeigte Titel werden in Wort und Bild vorgestellt. Am Ende des Bandes gibt es eine Auflistung der Kinos der Neuen Filmkunst, das „Cinema“ in Göttingen, die „Lupen“ in Berlin, Braunschweig, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, München und Stuttgart, die es alle nicht mehr gibt. Nur das „Theatertiner“ in München wird noch bespielt – von der Witwe, Marlies Kirchner, die unverdrossen der internationalen Filmkunst verbunden geblieben ist. Die Publikation ruft viele persönliche Erinnerungen wach. Mehr zum Buch: 9783000535796#.WCr7VyjzTV4

Karl Wolffsohn

2016-karl-wolffsohnEr war gelernter Drucker und ein großer Filmfreund zeit seines Lebens. Über den Verleger und Kinounternehmer Karl Wolffsohn (1881-1957) hat Ulrich Döge jetzt ein Buch publiziert, das viele Informa-tionen über die Filmpublizistik in der Weimarer Republik und über einige große Filmtheater der damaligen Zeit vermittelt. Ab 1910 hat Wolffsohn in seinem Verlag die wöchentlich erscheinende Zeitschrift Lichtbild-Bühne publiziert, die vor allem für Kinobetreiber bestimmt war, aber auch sehr lesenswerte Filmkritiken enthielt. Sie konkurrierte mit dem täglich erscheinenden Film-Kurier, der 1919 von dem Verleger Alfred Weiner gegründet wurde. Ab 1924 war der Ullstein Verlag Mitgesellschafter bei der LBB. Die Biografie von Karl Wolffsohn ist – bis 1933 – erfolgsorientiert. Neben seinem Verlag, der auch Filmbücher publiziert und ein eigenes Archiv unterhält, engagiert er sich bei der Planung und Gründung von Kinos, zum Beispiel der „Lichtburg“ in Essen und Berlin, dem „Olympia-Theater“ in Dortmund und den Kölner „Lichtspielen des Westens“. Die Nazis entmachten den Unternehmer jüdischer Herkunft Mitte der 30er Jahre, er wird verfolgt, inhaftiert, kann aber 1939 mit seiner Frau nach Palästina fliehen. Ab 1949 lebte das Ehepaar wieder in Deutschland und versuchte in zahlreichen juristischen Auseinandersetzungen, für die Verluste in der Vergangenheit entschädigt zu werden. Ulrich Döge hat hervorragend recherchiert, in allen einschlägigen Archiven geforscht und einen klug strukturierten Text geschrieben, der vor allem die Bürokratie in der Nachkriegszeit erschreckend deutlich in Erinnerung ruft. Der Buchtitel – „Er hat eben das heiße Herz“ – zitiert den Wolffsohn-Mitarbeiter Hugo Fabian mit einem Ausspruch zum 50. Geburtstag des Unternehmers. Das Buch ist im Verlag „tredition“ erschienen und kann auch als eBook erworben werden. Mit Abbildungen, Literaturverzeichnis und Personenindex. Mehr zum Buch: er-hat-eben-das-heisse-herz-paperback-84666/ 

Animationsfilm in Japan bis 1917

2016-japanischer-animationsfilmDies ist schon eine sehr spezielle Publikation, recherchiert und geschrieben von einem Anime-Spezialisten, der sich mit dieser Kunstform seit Jahrzehnten beschäftigt. Freddy Litten, im Hauptberuf an der Bayerischen Staatsbibliothek Referent für Mikroformen, informiert über die Frühgeschichte des Animations-films, setzt sich kritisch mit der vorhandenen Literatur aus-einander, zum Beispiel mit dem neuen Buch von Matthias C. Hänselmann, klärt Begriffe, datiert die frühen Filmbezie-hungen zwischen Japan und dem europäischen und amerikanischen Kino und widmet sich dann vor allem den Pionieren des japanischen Animationskinofilms: Shimokawa ōten bzw. Shimokawa Hekoten, Kitayama Seitarō und Kōuchi Jun’ichi sowie den drei Filmunternehmen Nikkatsu, Tenkatsu und Kobayashi Shōkai. Ein eigenes Kapitel handelt vom japanischen Animationsfilm des Jahres 1917. 100 Seiten kompaktes Wissen, vor allem für Fans des Animatonsfilms geeignet. Mit Abbildungen. Mehr zum Buch: litten.de/abstrtoc/abstr5d.htm