DIE RUSSEN KOMMEN (1968/87) / KARRIERE (1971)

Der Film DIE RUSSEN KOMMEN von Heiner Carow nach einem Drehbuch von Claus Küchenmeister und Carow erzählt die Geschichte des fünfzehnjährigen Günter Wal-cher im Frühjahr 1945 in einem Ostseebad, der – noch immer vom Endsieg der Nazis überzeugt – einen entflohenen Fremdarbeiter verfolgt, der anschließend vom Dorfpolizisten erschossen wird. Nach der Befreiung durch die Russen wird Günter wegen Mordes verhaftet. Der Konflikt mit dem Dorfpolizisten spitzt sich schnell zu und endet mit einem weiteren Mord. Günter wird wahnsinnig. Carow und Küchenmeister haben im Film offenbar eigene Erfahrungen des Jahres 1945 verarbeitet. DIE RUSSEN KOMMEN wurde nach einer Rohschnittvorführung im Dezember 1968 von der Hauptverwaltung Film nicht zu Fertigstellung zugelassen. Zu den Vorwürfen gehörte die Einschätzung, hier werde der Faschismus psychologisiert. Die Schnittmeisterin Evelyn Carow verwahrte bei sich eine Arbeitskopie. Heiner Carow verwendete Materialien aus dem Film für Rückblenden in dem Film KARRIERE, den er 1970 realisierte. Hier erzählt er die Geschichte des inzwischen 40jährigen Günter Walcher, der Angestellter in einem westdeutschen Konzern ist und sich in einer Beförderungsphase an seine Mitschuld am Tod eines Fremdarbeiters 1945 erinnert. Carows neuer Film galt damals eher als missglückt. In der Edition Filmmuseum sind jetzt beide Filme in restaurierter Fassung zu sehen, und es interessant, sie stilistisch zu vergleichen. Das Booklet enthält einen sehr persönlichen Text zum Film von Heiner Carow aus dem Jahr 1990, das Abnahmeprotokoll nach der Vorführung vom 23. Dezember 1968, eine Stellungnahme der Hauptverwaltung Film vom 10. Januar 1969, den Nachruf von Egon Günther auf Heiner Carow aus dem Neuen Deutschland vom 4. Februar 1997, eine Ergänzung dazu von Claus Küchenmeister und einen sehr informativen Text von Ralf Dittrich zur Entstehung und Restaurierung des Films. Zum Bonusmaterial gehören ein Gespräch mit dem Kameramann Jürgen Brauer (2016, 47 min.) und ein Vergleich der Rekonstruktion 1987 mit der Restaurierung 2016 (19 min.). Mehr zur DVD: Die-Russen-kommen—Karriere.html

Das Jahrhundert der Verunsicherung

Eine Habilitationsschrift, die an der Universität Siegen entstanden ist. Marijana Erstić hat dafür 15 medien-komparatistische Analysen kumuliert, die sich vorzugs-weise auf das „Jahrhundert der Verunsicherung“ bezie-hen, geprägt von zwei Welt-kriegen, dem Kalten Krieg und dem Jugoslawienkrieg. In ihrer Einleitung verknüpft die Autorin die Texte aus den vergangenen acht Jahren sehr einleuchtend und gibt ihnen den wissenschaftlich notwendigen Zusammen-hang. Ich verweise hier vor allem Texte, in denen der Film eine wichtige Rolle spielt, beginnend mit einem Vergleich von Stefan Zweigs „Schachnovelle“ und Roman Polanskis Film THE PIANIST im Lichte der Gedächtnisphilosophie Henri Bergsons. Drei Texte sind Pier Paolo Pasolinis filmischer Kritik der Nachkriegsgesellschaft gewidmet, speziell in den Filmen MAMMA ROMA und TEOREMA. Ein weiterer Vergleich beschäftigt sich mit dem Film BLOW UP von Michelangelo Antonioni und seiner literarischen Vorlage „Las babas del diabolo“ von Julio Cortazár. Zweimal steht Rainer Werner Fassbinder im Blick-punkt, mit Überlegungen zur Performativität des Spiegelbildes in FONTANE EFFI BRIEST und mit einem Vergleich von „St(r)and-bildern“ bei Eduard Manet und RWF. Verglichen wird dann die Passion und Grablegung Christi bei Caravaggio, Derek Jarman und Tarsem Singh. Giuseppe Tornatores Film LA SCONOSCIUTA sieht die Autorin als Wiederbelebung des Noir italiano. Ferdinand von Schirachs Kurzgeschichte „Glück“ wird analysiert mit einem Blick auf den Film von Doris Dörrie. In den letzten drei Texten geht es um den Bosnienkrieg in Literatur, Film und Musikclip. Immer wieder wird die Frage gestellt, in welcher Form Gewalt, Krieg und Zerstörung in Film, Literatur und Kunst eine Rolle spielen. Insofern ist das Buch ein wichtiger Beitrag zur Kulturwissenschaft. Mit Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: 745009.html

Show and Tell

Eine Dissertation, die an der Universität Bremen entstanden ist. Magali Trautmann beschäf-tigt sich darin mit dem narrati-ven Dokumentarfilm von 1995 bis 2015. Im ersten Kapitel (100 Seiten) wird das Forschungs-umfeld zur Geschichte des Dokumentarfilms mit vielen Verweisen auf die einschlägige Literatur geklärt. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der französische Filmwissenschaft-ler Roger Odin. Das zweite Kapitel (190 Seiten) konkreti-siert das Thema mit Filmbei-spielen und arbeitet mit den Kategorien „Nachhaltiger Dokumentar-film“ (Naturraum Ozean – UNSERE OZEANE von Jacques Cluzot und Jacques Perrin, PAUL WATSON. BEKENNTNISSE EINES ÖKO-TERRORISTEN von Peter Brown, DIE BUCHT von Louie Psihoyos, JAGDZEIT von Angela Graas / Gerichtssaal als Schauplatz – EIN SPEZIALIST von Eyal Sivan und Rony Brauman, SISTERS IN LAW von Kim Longinotto und Florence Ayisi, BANANAS! Von Fredric Gertten), „Dramatisierender Dokumentarfilm“ (Mord und Todesmotiv in GRIZZLY MAN von Werner Herzog, LA VIDA LOCA von Christian Poveda, THE ENGLISH SURGEON von Geoffrey Smith, SIEBEN MULDEN UND EINE LEICHE von Thomas Haemmerlin), „Humor-voller Dokumentarfilm“ (Heimatgefühle in FULL METAL VILLAGE von Sung-Hyung Cho), „Übertragender Dokumentarfilm“ (Biographi-sche Spuren in AUF DER SUCHE NACH DEM GEDÄCHTNIS von Petra Seger, gelebte Geschichte in LENIN KAM NUR BIS LÜDENSCHEID von André Schäfer und GERDAS SCHWEIGEN von Britta Wauer). Als letzte Kategorie kommt der Animadok ins Spiel, konkretisiert mit WALTZ WITH BASHIR von Ari Folman. Die Filmanalysen sind präzise, die Auswahl der Titel erscheint mir interessant. Der Anhang enthält eine Bibliographie, verschiedene Sequenzprotokolle und eine Liste der 25 erfolgreichsten Dokumentarfilme im deutschen Kino 1995-2015. An der Spitze steht DEUTSCHLAND. EIN SOMMERMÄRCHEN von Sönke Wortmann mit 3.991.913 Besuchern. Mit Abbildungen in guter Qualität. Nur das Coverfoto ist nicht leicht zu erkennen, es stammt vom Set des Dokumentarfilms FULL METAL VILLAGE. Mehr zum Buch: show-and-tell/

Film und Kunst nach dem Kino

Lars Henrik Gass ist seit zwan-zig Jahren Leiter der Interna-tionalen Kurzfilmtage Ober-hausen. In Essays und Vorträ-gen äußert er sich sehr reflek-tiert zur internationalen Medienszene. Vor fünf Jahren erschien sein Buch „Film und Kunst nach dem Kino“ im Verlag Philo Fine Arts, jetzt hat es in überarbeiteter und erweiterter Form der Strzelecki Verlag publiziert. In sieben Texten macht sich der Autor Gedanken über die Zukunft von Film und Kino. Programmatisch ist vor allem der erste und längste Beitrag, „Das Kino verschwindet aus den Filmen“, in dem die Veränderungen des Films in der Zeit von DVD und Internet thematisiert werden. Viele konkrete Filmbeispiele öffnen dabei den Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, auf die Wahrnehmung von Wirklichkeit, auf die Unterschiede zwischen Autorenfilm und kommerziellem Film. Im zweiten sehr wichtigen Kapitel macht sich Gass Gedanken über „Filmfestivals als temporäre Museen“ und beschreibt die Veränderungen im ständig wachsenden Festspielzirkus. Dann geht es um die Filmförderung, den Kunstfilm und den Avantgardefilm („Der Zwang zur Wahrnehmung“). „Eine neue Form des Monumentalfilms“ sieht der Autor – ausgehend von dem Experiment EMPIRE von Andy Warhol – im neuen Kunstbetrieb. „Film wird skulptural“ handelt vom Umgang mit found footage in der Kunst, „Das Musikvideo adaptiert das Kino“ bezieht in diesen Prozess die akustischen Dimensionen ein. Und mit einem Epilog verabschiedet sich der Autor aus seiner eher pessimistisch grundierten Gedankenwelt: „Far from the Twisted Reach of Crazy Sorrow“. Mit zwei Abbildungen auf den Innenseiten des Einbands. Mehr zum Buch: LARS_HENRIK_GASS.html

VICTORIA

Begleitband zur briti-schen TV-Serie, deren erste Staffel in Deutsch-land auf Sky ausgestrahlt wurde. Sie erzählt die Lebensgeschichte der Queen Victoria (gespielt von Jenna Coleman), die im Alter von 18 Jahren zur Königin gekrönt wird, mit Intrigen zu kämpfen hat, Unter-stützung durch den Premierminister Lord Melbourne erfährt, den deutschen Prinzen Albert heiratet und – in der bisher letzten Folge – ein Kind erwartet. Das Buch von Helen Rappa-port ist jetzt auf Deutsch im Edel Verlag erschienen. Mit vielen Abbil-dungen aus der Serie werden die historischen Hintergründe vermittelt, die Figuren porträtiert, die Angestellten des Hofes charakterisiert und die Schauplätze dargestellt. Beeindruckend ist die Sorgfalt auch auf der grafischen Ebene (Tagebuch von Victoria). Mit einem Vorwort der Drehbuchautorin Daisy Goodwin. Die zweite Staffel ist produziert und wird 2017 ausgestrahlt (inklusive einem Weihnachts-Special). Mehr zum Buch: tv-serie-begleitbuch-victoria/

Zwei Filme mit Humphrey Bogart

„Unvergessliche Filmstars“ heißt eine neue Serie bei Schröder Media mit jeweils zwei Filmen auf einer DVD, bei Humphrey Bogart (1899-1957) sind dies die relativ bekannte Gangsterkomödie BEAT THE DEVIL (1953) von John Huston und das in Deutschland selten gezeigte Gerichtsdrama CALL IT MURDER (1934) von Chester Erskine, das ursprünglich den Titel MIDNIGHT hatte. Bogart spielt hier die Neben-rolle des Gangsters Gar Boni, der offenbar aus Eifersucht erschossen wird. Die Frage ist, ob Stella Weldon (gespielt von Sidney Fox) tatsächlich die Mörderin war. Ihr Vater ist Vorsitzender eines Geschworenengerichts, das gerade eine andere Frau zum Tode verurteilt hat. Der Film ist interessant fotografiert. BEAT THE DEVIL (deutsch: SCHACH DEM TEUFEL) erzählt die etwas krude Geschichte einer Schiffsreise nach Afrika, an der u.a. zwei Ehepaare (Humphrey Bogart und Gina Lollobrigida – Edward Underdown und Jennifer Jones) und vier Gangster teilnehmen. Es gibt Intrigen, amouröse Verstrickungen, Mordanschläge, eine Explosion, die Passagiere geraten in arabische Gefangenschaft, werden frei gelassen und landen wieder in Italien. Die Gangster werden verhaftet. Am Drehbuch war Truman Capote beteiligt, hinter der Kamera stand Oswald Morris. Und eine Nebenrolle als geheimnisvoller Deutscher Julius O’Hara spielte Peter Lorre. Der Film war damals ein Misserfolg, weil das Publikum Bogart offenbar lieber in einem Gangsterfilm als in einer Komödie sehen wollte. Beide Filme in Schwarzweiß. Die DVD enthält die deutschen und die englischen Fassungen. Mehr zur DVD: Humphrey+Bogart&x=16&y=5

Willy Fritsch

In diesem Jahr wird der 100. Geburtstag der Ufa gefeiert, und er war einer ihrer großen Stars: Willy Fritsch (1901-1973) spielte zwischen 1925 und 1944 die Hauptrollen in mehr als fünfzig Ufa-Filmen, beginnend mit EIN WALZER-TRAUM (1925) von Ludwig Berger. Vor allem in den 1930er Jahren als Partner von Lilian Harvey erreichte seine Popularität Spitzenwerte. Ihre erfolgreichsten gemeinsamen Filme waren DIE DREI VON DER TANKSTELLE (1930) von Wilhelm Thiele, DER KONGRESS TANZT (1931) von Erik Charell, EIN BLONDER TRAUM (1932) und GLÜCKSKINDER (1936) von Paul Martin. Er konnte verhältnismäßig gut singen und spielte in zahlreichen Tonfilmoperetten mit. Er gehörte zwar in der Nazizeit der NSDAP an, wirkte aber in wenigen Propa-gandafilmen mit und wurde nach Kriegsende schnell entnazifiziert. FILM OHNE TITEL von Rudolf Jugert war sein erster Nachkriegsfilm. In den 50er Jahren spielte er vorzugsweise sympathische Väter. 1963 publizierte er seine Autobiografie „…das kommt nicht wieder“. Erstaun-licherweise gab es bisher keine Monografie über sein Leben und seine Filme. Die hat jetzt Heike Goldbach im Verlag tredition veröffentlicht. Sie basiert auf gründlichen Recherchen, ist durch 1.126 Quellenver-weise abgesichert (der letzte heißt: „Telefonat der Autorin mit Thomas Fritsch am 18.02.2016“) und verbindet Zeitgeschichte mit Film- und Lebensgeschichte. Interessant ist zum Beispiel die Darstellung der Zusammenarbeit von Willy Fritsch mit Fritz Lang bei den Filmen SPIONE (1928) und FRAU IM MOND (1929) oder auch die Schilderung der Jahre 1944/45. Mit Abbildungen in unterschiedlicher Qualität. Mehr zum Buch: paperback-91198/

Heartland

Robert Lorenz ist Politikwissen-schaftler an der Universität Göttingen und cinephil. Als side project betreibt er die Website www.filmkuratorium.de und publiziert dort Filmkritiken. Jetzt hat er im Eigenverlag das Buch „Heartland“ veröffentlicht, das ich mit großem Interesse gelesen habe. Dreißig Texte erinnern an ameri-kanische Filme der 1950er, 60er und 70er Jahre, die im Südwesten der USA spielen, zugeordnet den Kapiteln „Der alte Westen“, „Die große Depression“, „Verspätete Moderne“ und „Amerikanische Träume“. Es sind Filme von Robert Altman (MCCABE & MRS. MILLER, NASHVILLE), Arthur Penn (THE CHASE, THE MISSOURI BREAKS) und Sydney Pollack (JEREMIAH JOHNSON, THE ELECTRIC HORSEMAN, THIS PROPERTY IS CONDEMNED), von Robert Aldrich (APACHE), Peter Bogdanovich (THE LAST PICTURE SHOW), Richard Brooks (ELMER GANTRY), Clint Eastwood (THE OUTLAW JOSEY WALES), John Huston (FAT CITY) und Elia Kazan (WILD RIVER) darunter. Auf vier bis acht Seiten beschreibt der Autor die Handlung, würdigt die darstellerischen Leistungen und die formalen Qualitäten der Filme und stellt sie in den größeren Zusammenhang der Region. Fünf Texte haben mir ganz besonders gut gefallen: über THE BALLAD OF CABLE HOGUE von Sam Peckinpah, BOUND FOR GLORY von Hal Ashby, PICNIC von Joshua Logan, THE LONG HOT SUMMER von Martin Ritt und NASHVILLE von Robert Altman. Ich werde mir die Filme in den nächsten Wochen sicherlich wieder einmal ansehen. Das Buch enthält keine Abbildungen, und das hat auch eine Logik. Mehr zum Buch: 23254213-1#information

Rundfunkveranstalter und freie Produzenten

„Das Verhältnis zwischen Rundfunkveranstaltern und freien Produzenten im Lichte der Filmförderung“ ist Thema einer juristischen Dissertation, die 2016 an der Universität Freiburg entstanden ist. Marion Fischer wirft darin einen Blick zurück auf die rechtlichen Rahmen-bedingungen des deutschen Filmförderungsgesetzes, das vor rund fünfzig Jahren, am 1. Januar 1968, in Kraft getreten ist und seither in regelmäßigen Abständen novelliert wurde. Im ersten Kapitel liefert die Autorin die notwendigen Begriffsklärungen: Film, Produzent, Filmförderung. Ihr Text über „Geschichte, Struktur und Umfang der deutschen Filmförderung“ (S. 39-56) ist in diesem Zusammenhang konzise und informativ. Sie unterscheidet dabei vor allem zwischen Bundesfilm-förderung und Förderung auf Länderebene, bei der sie sich auf den FilmFernsehFonds Bayern und die Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen konzentriert. Im zweiten Kapitel stehen die rechtlichen Rahmenbedingungen der Filmförderung durch die Rundfunkveranstalter im Mittelpunkt. Es wird dabei nach der Gesetzgebungskompetenz für das Filmförderungsgesetzt gefragt und nach der Verfassungsmäßigkeit des Filmabgabensystems (Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts 2009 und Urteil des Bundesverfas-sungsgerichts 2014). Im dritten Kapitel geht es um die Auswertung geförderter Filme durch die Rundfunkveranstalter, um das Verhältnis von Vergütung zu Rechteübertragung, um spezielle Regelungen, um Lösungsansätze und Verbesserungsvorschläge. Hier wird auch auf die rechtliche Praxis in anderen Ländern (Frankreich, Großbritannien, USA) hingewiesen. Der Text bleibt durchgehend auf einer juristischen Ebene und wird nicht mit Beispielen konkretisiert. Es wird trotzdem sehr deutlich, wo die Differenzen der Interessen zwischen Rundfunkveranstaltern und freien Produzenten liegen und dass es vieler Kompromisse bedarf, um zu einer Solidarität zu finden. Mehr zum Buch: product=27612

Väter allerlei Geschlechts

Ein Sammelband mit sieben Texten zu „Generationenverhält-nissen und Autoritätsfiguren in Fernsehserien“ (UT), herausge-geben von Anja Besand / Mark Arenhövel (TU Dresden) und Olaf Sanders (Helmut Schmidt-Universität Hamburg). Es geht um „Intergenerationenambi-valenz“, wie ich aus dem Vor-wort gelernt habe. Brigitte Georgi-Findlay geht in ihrem Beitrag relativ weit zurück in die Geschichte und erinnert am Beispiel von BONANZA an Ben Cartwright und andere Väter. Katja Kanzler schreibt über „Das Lustige, das Lächerliche und Vorstellungen von der ‚guten Familie’ in Sitcoms“. Ihre Beispiele sind FATHER KNOWS BEST, MODERN FAMILY und BLACK-ISH. Karl-Josef Pazzini und Olaf Sanders richten ihren Blick auf das „Väterliche Prekariat in THE SOPRANOS“. Mirjam M. Frotscher und Gesine Wegner sind „Auf der Suche nach Trans*gressiver Elternschaft im US-amerikanischen Fernsehen“ und beschäftigen sich mit den Serien THE L WORLD, ORANGE IS THE NEW BLACK und TRANSPARENT. Christian Schwarke (Theologe) analysiert die Serien LOW WINTER SUN, TRUE DETECTIVE und THE WIRE vor dem Hintergrund der Geschichte der sogenannten Opferung Isaaks aus dem Buch Genesis des Alten Testaments. Mark Arenhövel konstatiert eine Destruierung der leitenden Wertvorstellungen von Ehe und Familie in der sehr erfolgreichen Serie BREAKING BAD. Anja Besand fragt in dem abschließenden Beitrag „Von einsamen Müttern und verzweifelten Vätern“, ob Fernsehserien als Erziehungsratgeber geeignet sind. Ihre Beispiele sind THE SOPRANOS und THE WALKIND DEAD. Ein interessanter Band im Zusammenhang des Fernsehserien-Diskurses. Die Qualität der Abbildungen ist nur im letzten Beitrag akzeptabel. Mehr zum Buch: book/9783658164232