Ousmane Sembène

2013.Sembene,O.Er gilt als „Vater des afrikanischen Kinos“. Ousmane Sembène (1923-2007), Schriftsteller und Regisseur aus dem Senegal, hat 1963 mit der Filmarbeit begonnen, er hat Dokumentarfilme, Kurzfilme und neun Spielfilme realisiert, zuletzt MOOLAADÉ (2004), ein bewegendes Drama über die Beschneidung junger afrikanischer Mädchen. Sembène ist Band 32 der „Film-Konzepte“ gewidmet, herausgegeben von Johannes Rosenstein. In fünf Beiträgen wird sein Werk aus unterschiedlichen Perspektiven erschlossen. Der Literaturwissenschaftler Manfred Loimeier, bekannt auch als Achternbusch-Spezialist, schreibt über die Entwicklung des Schriftstellers Sembène zum Filmregisseur. Ute Fendler, mit Afrika sehr vertraut, analysiert vorbildhaft den Film GUELWAAR (1992). Vom Herausgeber Rosenstein, Autor eines Buches über das afrikanische Kino der Gegenwart (2003), inzwischen auch als Filmemacher tätig, stammt der zentrale Essay „Passage. Schnittstelle. Warteraum. Sembènes Kino als Beitrag zu einer Theorie der Schwelle“. Louis Ndong, Germanistik-Professor in Dakar, widmet sich der Zeitinszenierung und geht dabei vor allem auf den frühen Film MANDABI (1968) ein. Die Mainzer Ethnologin Cassis Kilian untersucht die ambivalente Figur des Patriarchen, die in drei Sembène-Fimen mit dem Schauspieler Makhourédia Guèye besetzt wurde. Titelfoto: MOODLAADÉ. Die „Film-Konzepte“ halten ihr hohes Niveau. Mehr zum Buch: neu_werke_default_film

Filmästhetik und Vermittlung

2013.BergalaBettina Henzler hat zusammen mit Winfried Pauleit Alain Bergalas Essay „Kino als Kunst“ (2006) ediert und die Sammelbände „Filme sehen, Kino verstehen“ (2009) und „Vom Kino lernen“ (2010) herausgegeben. Jetzt ist ihre Dissertation erschienen, mit der sie 2011 in Bremen promoviert hat. Hier wird der pädagogische Ansatz des französischen Filmwissenschaftlers Alain Bergala (*1943) systematisch aufgearbeitet und in einen größeren Zusammenhang gestellt. In den sieben Kapiteln „Cinephilie und Filmvermittlung“, „Filmvermittlung als gesellschaftspolitisches Anliegen“, „Ästhetische Erfahrung und Subjektivität“, „Kino und Kindheit“, „Ästhetik“, „Vermittlung“, „Medien und Methode“ unternimmt die Autorin eine theoretische Spurensuche, in deren Zentrum natürlich die französischen Filmphilosophen (Roland Barthes, Serge Daney, Jean Louis Schefer) und André Bazin, stehen und verknüpft sie mit der nun schon 40jährigen Vermittlungsarbeit von Bergala. Über weite Strecken ist das (für mich als Leser) theoretische Pflichtarbeit, es wird spannender, wenn es in der zweiten Hälfte des Buches um konkrete Filme und Filmszenen und ihre Interpretation geht, zum Beispiel mit der Analyse einer Einstellung aus Godards GESCHICHTE DER NANA S., die unterschiedlich zu deuten ist. Vor allem in den letzten beiden Kapiteln („Vermittlung“ und „Medien und Methoden“) verstärkt sich die Konkretisierung. Das wird auch an der Zunahme des Bildanteils spürbar. Mehr zum Buch: filmaesthetik-und-vermittlung.html

Filmstatistisches Jahrbuch

2013.FilmstatistikDas Buch ist schmal, erscheint jährlich und enthält vor allem Zahlen. Es informiert auf der Grundlage von relativ präzisen Daten über die Entwicklungen in den Bereichen Filmproduktion, Verleih, Filmtheater, Werbung, Kinobesuch, Video, FSK, FBW, Filmförderung, internationale Filmstatistik (speziell: EU) und Fernsehen (Kinofilme/TV-Movies). Mit 241 im vergangenen Jahr erstaufgeführten deutschen Langfilmen hat sich die Zahl seit 2003 mehr als verdoppelt. Daran haben vor allem die Dokumentarfilme ihren Anteil, ihre Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdreifacht. Aber nur 1 % der Kinobesucher sehen sie sich an; mit 32 % stehen erwartungsgemäß die Komödien an der Spitze (Action: 20 %). Die Zahl der digital ausgestatteten Kinos in der Bundesrepublik ist inzwischen auf 3.134 gestiegen; vor zehn Jahren waren es gerade mal zwei. Die passioniertesten Kinobesucher gibt es in Bremen, dort geht jeder Einwohner 3,1 x jährlich ins Kino, in Brandenburg leider nur 1,1 x. Dabei macht das Kinocenter in Eberswalde, das sage ich aus eigener Erfahrung, kein schlechtes Programm. In Frankreich und Italien ist der Kinobesuch gerade rückläufig, einen Spitzenwert erzielen da zurzeit die Iren. So erfährt man auf 100 Seiten manche Neuigkeit, wenn man sich für Zahlen interessiert. Das nächste Jahrbuch erscheint in einem Jahr. Mehr zum Buch: product=21510

Hofer Filmtage

2013.Hof 2Heute beginnen die 47. Hofer Filmtage. 126 Filme stehen auf dem Programm, das am kommenden Sonntag endet. Heinz Badewitz hat wieder mit seinem bekannten Eigensinn ausgesucht und eingeladen. 30 deutsche Spiel- und Dokumen-tarfilme und zahlreiche Co-Produktionen werden gezeigt, darunter sind Filme von Carsten Degenhardt & Miguel Schütz, Frederik Steiner, Helga Reidemeister, Michael Baumann, Julia von Heinz, Bastian Günther, Uli Gaulke, Marc Rensing, Christian Schwochow und Nicole Weegmann. Frankreich ist mit sieben Produktionen vertreten, die größtenteils von den Regisseuren und Regisseurinnen persönlich präsentiert werden: Catherine Breillat, Solveig Anspach und Justine Malle. Die Werkschau ist dem Regisseur Michael Oblowitz gewidmet, der mit Kathryn Bigelow, Amos Poe, Jim Jarmusch und Rosa von Praunheim zusammengearbeitet hat. Zur Eröffnung wird der Film DIE FRAU, DIE SICH TRAUT von Marc Rensing gezeigt. Mehr zum Programm: zum-programm-2013/

THE LIFE AND DEATH OF COLONEL BLIMP

2013.BlimpSie gaben dem englischen Kino und der Entwicklung des Farbfilms in den 1940er Jahren die größten Impulse: Michael Powell (1905-1990) & Emeric Pressburger (1902-1988). Ich nenne nur drei Titel: THE LIFE AND DEATH OF COLONEL BLIMP (1943), THE BLACK NARCISSUS (1947), THE RED SHOES (1948). COLONEL BLIMP ist ein für seine Zeit ganz ungewöhnlicher Film. Die Hauptfigur, genannt Candy, eigentlich eine Karikatur aus der Comic-Geschichte, wurde bei P. & P., gespielt von Roger Livesy,  zu einem eher tragischen General mit schwierigen Liebesbeziehungen und einer kontinuierlichen Freundschaft zu dem deutschen Offizier Theo Kretschmar-Schuldorff (Adolf Wohlbrück). Er muss am Ende auch nicht sterben. Die wunderbare Deborah Kerr ist in drei verschiedenen Rollen zu sehen. Winston Churchill wollte den Film 1943 verhindern, schaffte aber nur ein Exportverbot während des Weltkriegs. Ursprünglich war COLONEL BLIMP 163 Minuten lang, dann wurde er gekürzt und verstümmelt. Inzwischen ist er in England, unterstützt von Martin-Scorseses Film Foundation, rekonstruiert worden und lief 2012 in seiner Originallänge auf der Berlinale. Fritz Göttler hat damals einen grundlegenden Text in der SZ geschrieben, der leider nicht im Netz abrufbar ist. Von Koch Media wurde jetzt die DVD ediert, die unbedingt zu empfehlen ist. Sie enthält den rekonstruierten Film in bester Farbqualität (Technicolor!), eine Dokumentation zum Film und zur Rekonstruktion und ein kleines Booklet. Mehr zur DVD: masterpieces_of_cinema_collection_5/

Horst Buchholz in München

2013.BuchholzIm Münchner Filmmuseum beginnt heute, kuratiert von Werner Sudendorf, eine Hommage für den Schauspieler Horst Buchholz (1933-2003). 15 Filme aus der Zeit von 1955 bis 1997 sind bis zum 20. Dezember zu sehen, von MARIANNE (Regie: Julien Duvivier) bis LA VITA È BELLA (Roberto Benigni). Natürlich sind auch die Buchholz-Klassiker DIE HALBSTARKEN (1956) von Georg Tressler, BEKENNTNISSE DES HOCHSTAPLERS FELIX KRULL (1957) von Kurt Hoffmann, THE MAGNIFICENT SEVEN (1960) von John Sturges und ONE, TWO, THREE (1961) von Billy Wilder dabei. Am 29. November ist Sudendorf, Autor einer sehr lesenswerten Buchholz-Biografie, im Filmmuseum zu Gast bei der Vorführung von ENDSTATION LIEBE (1958) von Georg Tressler. Und Christopher Buchholz präsentiert am 14. Dezember seinen Film HORST BUCHHOLZ…MEIN PAPA (2005), ein berührendes Porträt. Für mich sind die beiden Filme HIMMEL OHNE STERNE (1955) von Helmut Käutner und DAS TOTENSCHIFF (1959) von Georg Tressler besonders schöne Buchholz-Filme. Mehr zum Programm: Horst_Buchholz.pdf

Jerry Lewis in Wien

2013.Jerry LewisDie bereits morgen beginnende Retrospektive der Viennale ist in diesem Jahr dem Komiker Jerry Lewis (*1926) gewidmet. 28 Filme stehen auf dem Programm, das im Österrei-chischen Filmmuseum gezeigt wird. „Bei Jerry Lewis ist Realität nicht Ziel der Darstellung, sondern nur Ausgangspunkt für Abstraktionen. Abstraktionen sind Phantasien, die dem Leben entschweben, sagt Lenin. Oh, Mama!“ hieß es 1971 in einem SZ-Filmtip von Frieda Grafe. Wie schade, dass sie sich nicht mehr ihren Herzenswunsch erfüllen konnte: ein ganzes Buch über Jerry Lewis zu schreiben. 1974 erschien auf Deutsch, herausgegeben von Rainer Gansera, „The Total Film-Maker“, der Mitschnitt eines College-Seminars, in dem am Ende in einer Hommage an Stan Laurel auch viel über Lewis klar wird. Über dessen frühen Filmpartner Dean Martin hat Michael Althen 1997 ein wunderbares Buch geschrieben. Auch hier ist viel über Lewis zu erfahren. An seinen Filmen haben sich oft die Geister geschieden. In den 1950er Jahren war Lewis dreimal Moderator der Oscar-Verleihung, aber er hat als Schauspieler oder Regisseur nie einen bekommen, es blieb bei einem Ehren-Oscar für sein soziales Engagement. Das zur Retrospektive publizierte Buch über Lewis habe ich noch nicht gelesen, ich komme demnächst darauf zurück. Mehr zum Programm: reserve-mode=active

Andreas Dresen

2013.Dresen GlücksspielEs gibt von ihm bisher 17 Kurzfilme, zwölf Spielfilme und drei Dokumen-tarfilme, der 13. Spielfilm ist in Arbeit. Sie haben alle mit der Realität zu tun, auch wenn es manchmal um Utopien geht. Der Filmemacher Andreas Dresen (*1963) lebt in Potsdam, ist als juristischer Laie Verfassungsrichter im Land Brandenburg, er sitzt dem DEFA-Stiftungsrat vor und hat einen biografischen Ost-Bezug. Hans-Dieter Schütt, geboren in Thüringen, ist Spezialist für Gesprächsbücher. Er stellt die richtigen Fragen, und er redet natürlich vor allem mit Menschen, die etwas zu sagen haben. In seinen vier Gesprächen mit Andreas Dresen, die dem Buch eine Struktur geben, kommt alles zur Sprache, was Dresen  biografisch und beruflich mitzuteilen hat: manchmal lakonisch, teilweise sehr schlagfertig und dann ausführlich, wo es ihm wichtig ist. Man erfährt viel, was noch nicht überall zu lesen war. Am Anfang steht ein Gedicht „Für den kleinen Andreas“ vom Vater Adolf Dresen. In der Mitte ist ein Text von Andreas über eine Reise von Tokio nach Tblissi über Moskau zu lesen. Und fürs Ende haben die Dramaturgin Laila Stieler und der Autor Wolfgang Kohlhasse schöne, sehr persönliche „Nach-Sätze“ geschrieben. Andreas ist jetzt fünfzig Jahre alt. Das Buch ist eine beeindruckende Zwischenbilanz. Mehr zum Buch: andreas-dresen.html

Joe Dante

2013.Joe Dante15 Filme hat Joe Dante (*1946) als Regisseur in den Bereichen Fantasy und Horror bisher gedreht, das Österreichische Filmmuseum hat ihm soeben eine Retrospektive gewidmet und dazu ein sehr lesenswertes Buch herausgegeben – in englischer Sprache. Es ist im Übrigen die erste Publikation über diesen eigensinnigen Filmemacher. Mit den PIRANHAS (1978) wurde er bekannt, mit den GREMLINS (1984) berühmt, THE HOLE (2009) war sein bisher letzter Film. Das freundschaftlich-kollegiale Vorwort zum Buch stammt von John Sayles, der früh mit Dante zusammengearbeitet hat. Im Mittelpunkt steht ein 60-Seiten-Gespräch mit Dante von dem Autor und Filmemacher Gabe Klinger, in dem sehr reflektiert auf Form und Inhalte der Filme eingegangen wird. Weitere Texte stammen u.a. von Bill Krohn, J. Hoberman (über die GREMLINS und das Verhältnis zu Spielberg), Christoph Huber und Violeta Kovacsics. Howard Prouty und Gabe Klinger haben eine Dante-Chronik zusammengestellt, und von Prouty stammen auch die meisten Texte der kommentierten Filmografie. Dies ist bereits der 19. Band der „FilmmuseumSynemaPublikationen“ im reizvollen, fast quadratischen Format. Mehr zum Buch: www.filmmuseum.at/shop/joe_dante

Asta Nielsen

2013.Asta NielsenSie kam 1911 aus Dänemark nach Deutschland und wurde einer der großen Stars des Stummfilms. Asta Nielsen (1881-1972) hat in mehr als 80 Filmen die Hauptrolle gespielt. Sie wurde zum Prototyp der emanzipierten, konfliktbereiten Frau. Andererseits hatte sie auch das Talent zur Komik. In der „Edition Filmmuseum“ sind, verantwortet von der Deutschen Kinemathek, zwei DVDs mit vier Asta-Nielsen-Filmen erschienen. In DIE SUFFRAGETTE (1913, Titelfoto) spielt sie eine junge Frau, die für die Gleichberechtigung kämpft und dadurch in einen Liebeskonflikt gerät. Regisseur des Films war Nielsens damaliger Ehemann Urban Gad. DAS LIEBES-ABC (1916, Regie: Magnus Stifter) ist eine Komödie, in der Asta Nielsen einen unerfahrenen Mann in die Liebe einführt und zwischendurch, als Mann verkleidet, die Geschlechterrollen persifliert. Auch in DAS ESKIMOBABY (1916, Regie: Heinz Schall) spielt sie eine Hosenrolle: das Mädchen Ivigtut, das ein Grönlandforscher mit nach Berlin bringt und das in ihren Fellhosen die Gesellschaft aufmischt. DIE BÖRSENKÖNIGIN (1916, Regie: Edmund Edel) ist ein Melodram, in dem Nielsen als Besitzerin einer Kupfergrube viel Geld macht, aber kein Glück in der Liebe hat. Alle vier Filme wurden mühevoll aus vorhandenen Materialien rekonstruiert, bei der BÖRSENKÖNIGIN gab es eine viragierte Nitrokopie, sodass wir den Film in Farbe sehen können. Musikbegleitung aller Filme: Maud Nelissen. Zur DVD-Edition gehört wie immer ein informatives Booklet. Mehr zur DVD: Vier-Filme-mit-Asta-Nielsen.html