Mord in Metropolis

2014.Metropolis

Ein neuer Krimi, er spielt in den 1920er Jahren in Berlin. Fiktion und Realität mischen sich. Fiktive Hauptfigur ist der Ex-Kom-missar Robert Grenfeld, den sein ehemaliger Chef, Erich Gennat (er war später real Leiter der Zentralen Mord-inspektion), zur Klärung von Verdachtsmomen-ten bei der Filmproduktion METROPOLIS zu Hilfe ruft. Die Hauptdarstellerin Brigitte Helm erhält anonyme Dro-hungen. Die Handlung beginnt am 16. Juni 1925 um 8.30 Uhr in Berlin-Grunewald, Douglasstraße 63, und endet am 19. November 1925 um 17 Uhr in Neubabelsberg. Es wird chronologisch erzählt, Ortswechsel strukturieren die Handlung, unterschiedliche Perspektiven erhöhen die Spannung. Ziemlich zu Beginn werden zwei Statistinnen ermordet, die eine im Stahlkostüm der Maschinen-Maria. Bei den Ermittlungen stellt sich die Hauptfrage: wer hat ein Interesse daran, den Film von Fritz Lang in Verruf zu bringen? Seine Produktionskosten erhöhen sich ständig, weil der Regisseur mehr Geld als geplant in das Aufgebot an Statisten, in Bauten und Kostüme investiert, dadurch seinen Produzenten Erich Pommer in die Bredouille bringt und den UFA-Aufsichtsrat zum Handeln zwingt. Es ist erstaunlich, wie genau der Autor Robert Baur (von Beruf Personalentwickler) die historischen Fakten der METROPOLIS-Produktion recherchiert hat und mit der Story seines Kriminalromans verknüpft. Immer wieder werden Passagen aus der Perspektive realer Personen erzählt: zum Beispiel Brigitte Helm, Erich Pommer, Fritz Rasp. Im Hintergrund operieren die Nazis, die „Schwarze Reichswehr“, die Berliner Ringvereine, die politische Polizei. Auch viele Schauplätze – Filmstudios, Cafés und Restaurants, Hotels und kulturelle Treffpunkte – existierten im Berlin der 20er Jahre. Eine schöne Erfindung ist die weibliche Hauptfigur, Mascha, eine Exilrussin, die zwischen den Fronten laviert und zunehmend an Bedeutung gewinnt. Ein spannender „Roman aus dem Filmmilieu“ mit einem beeindruckenden, eigenwilligen Ermittler. Mehr zum Buch: mord-in-metropolis.html

Ostergrüße

 

2014.Florenz

Herzliche Ostergrüße aus Florenz

Hans Helmut Prinzler und Antje Goldau

 

Film und Kino in Italien

2014.ItalienIrmbert Schenk, Professor für Medienwissenschaft i.R. an der Universität Bremen, hat eine besonders intensive Beziehung zum italienischen Kino, die von großer Sachkompetenz getragen wird. In seinen Vorlesungen und Aufsätzen spürt man auch eine spezielle Liebe zum Land. Der vorliegende Band enthält acht längere Texte und einen Lexikoneintrag. Die ersten Beiträge handeln von der Frühzeit und reichen bis in die 1930er Jahre. Zweimal geht es um den italieni-schen Historienfilm, der ein spezielles Genre des Landes war, im ersten Text stehen die Jahre 1905 bis 1914 im Mittelpunkt, im zweiten wird ein Bogen von CABIRIA (1914) zu Mussolini geschlagen. Ein Essay über Walter Ruttmanns ACCIAIO (1930) verortet den Film zwischen Futurismus, Realismus und Faschismus. Dann wird das Motiv des Automobils als Subtext der Modernisierung in den Komödien der 1930er Jahre interpretiert. Ein Basistext ist Schenks Vorlesung über den italienischen Neorealismus, die bisher unveröffentlicht war (gefolgt vom Eintrag „Neorealismus“ im „Lexikon der Filmbegriffe“). Sehr informativ ist der Vergleich zwischen Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“ und ihrer Verfilmung von Luchino Visconti: MORTE A VENEZIA (1971). Den schönen Text über Michelangelo Antonioni kennen wir aus dem Buch „Das goldene Zeitalter des italienischen Films“, das Thomas Koebner und Irmbert Schenk 2008 herausgegeben haben. Noch unveröffentlicht ist bisher der Text über Entstehung und Rezeption von Roberto Benignis LA VITA E BELLA (1998). Es lohnt sich, die Texte im Zusammenhang zu lesen. Viele Abbildungen in guter Qualität. Titelbild: Monica Vitti in L’AVVENTURA (1960). Mehr zum Buch: film-und-kino-in-italien.html

Mediale Inception

2014.Mediale Inception„Bewusstseinsfilme“, wie sie in Hollywood seit den 1990er Jahren vermehrt entstehen, haben Protagonisten, die oft an Amnesie oder Schizophrenie leiden. Sie können nicht zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden und nehmen den Zuschauer auf ihre Reise ins Unterbewusstsein mit. Christian Bumeder entwickelt in seiner Dissertation (entstanden an der Ludwig-Maximilian-Universität in München) eine „Poetik“ des Bewusstseinsfilms. Im Mittelpunkt seiner konkreten Analysen stehen die Filme SHUTTER ISLAND (2010) von Martin Scorsese und INCEPTION (2010) von Christopher Nolan. Es geht um Erzählperspektiven, Personalisierungen, Wahrnehmung, Okularisierung und Aurikularisierung, Introspektion und Subjektivität. In der traditioneller Genre-Zuordnung würde man vom „Psycho-Thriller“ sprechen, aber die inhaltliche und formale Fokussierung und Vertiefung, wie sie Bumeder wissenschaftlich begründet, hat ihre Logik und überzeugt, wenn sie in Filmbeispielen konkretisiert wird. Im Anhang findet man Sequenzprotokolle der beiden genannten Filme und eine umfangreiche Bibliographie. Die Abbildungen sind relativ klein, aber akzeptabel. Mehr zum Buch: 7a85hh3m5

Giallo

2014.Formelkino.GialloUntersuchungen zum Genre-Kino sind en vogue. Dies ist eine Dissertation aus Köln, die sich mit dem „Giallo“ beschäftigt, einer Mischung aus Kriminalfilm und Gothic-Horror, die in Italien Mitte der 1960er Jahre entstand und in den 70er Jahren ihre Höhepunkte hatte. Die beiden wichtigsten Standardfiguren sind der Amateur-Detektiv und der Serienmörder, der es vor allem auf attraktive Frauen abgesehen hat. Emotionale Höhepunkte erreichen die Filme durch brutale Mordszenen, die Ermittlungen werden eher unterkühlt inszeniert. Die bekanntesten Regisseure des Giallos sind Mario Bava und Dario Argento. Der Autor Peter Scheinpflug (wissenschaftlich betreut von Irmela Schneider) setzt sich zunächst sehr generell mit der Genre-Theorie auseinander, mit den Aporien der Definition, mit Diskurs-Theorie und Genre-Hermeneutik. Natürlich spielen beim Thema „Gallio“ Genre-Mixing und Genre-Hybride eine wichtige Rolle. Scheinpflug nutzt seine Kenntnis der Filme für viele beispielhafte Szenenanalysen, bringt immer wieder Genre-Theoretiker ins Spiel und sorgt so für eine gewisse Balance zwischen Konkretisierung und Abstraktion. Eigene Kapitel sind der Genre-Parodie und dem Verhältnis „Genre und Gender“ gewidmet. Hier gibt es einen originellen Exkurs über Gender- und Genre-Zitate in KILL BILL: VOL. 2 von Quentin Tarantino. Das Schlusskapitel behandelt – als Folge der DVD-Welle von Gialli ab Ende der 1990er Jahre – den „Neo-Giallo“, also seine aktuelle Variante. Mehr zum Buch: /formelkino

Schweizer Filmgeschichte

RZ SU Schärer, Cinememoire.inddMit 700 Seiten ist dies ein voluminöses Buch. Es handelt vom Film in der Schweiz zwischen 1958 und 1975. Im Zentrum stehen Interviews, also konkrete Erinnerungen. 41 Gesprächspartner haben ausführlich auf die Fragen von Thomas Schärer geantwortet, darunter der Kulturpolitiker Alex Bänninger, die Kameramänner Renato Berta und Pio Corradi, die Schauspielerin Anne-Marie Blanc, der Schauspieler Helmut Förnbacher, die Filmverleiherin Ilona Stamm, die Regisseure Max Peter Ammann, Nicolas Gessner, Markus Imhoof, Rolf Lyssy, Fredi M. Murer, Hans-Ulrich Schlumpf, Alexander J. Seiler und Yves Yersin, die Filmhistoriker Victor Sidler und Franz Ulrich. Zwanzig Kapitel strukturieren das Buch inhaltlich, es geht dabei u.a. um die Nobilitierung des Films, das Filmgesetz und die Gründung der „Association suisse des réalisateurs de films“, Autodidaktik und Ausbildung, Experimentalfilme, um die Krise des Alten und die Suche nach dem Neuen, um die Solothurner Filmtage, Arbeitsgemeinschaften, Kooperativen, Firmen und Verbände, das Verhältnis zwischen Film und Fernsehen in der Deutschschweiz, um Publikum und Erfolg. Momentaufnahmen der Jahre 1958, 1964, 1969 und 1975 sind eingefügt. Die Interviews sind in Zitate zu den einzelnen Themen aufgelöst und durchgehend auf den linken Seiten des Buches platziert. Natürlich gibt es eine Chronologie, eine Bibliografie, ein Namens- und ein Filmtitelregister. Dazwischen: viele Fotos. Fünf Gespräche sind auf einer beigefügten DVD zu hören und zu sehen. Also: ein Standardwerk über den Schweizer Film. Der Autor Thomas Schärer (*1968) ist Kurator, Dozent und Publizist. Titelfoto: Dreharbeiten von GOLDFINGER am Furkapass. Mehr zum Buch: www.limmatverlag.ch/

Österreichisches Filmmuseum (4)

2014.Kubelka 2Er hat, zusammen mit Peter Konlechner, 1964 das Österreichische Filmmuseum gegründet und bis 2001 geleitet. Peter Kubelka (*1934) ist Filmemacher, Kunsttheoretiker, Professor und ein legendärer Koch. Martina Kudláček, Filmemacherin, geprägt durch frühe Besuche im Österreichischen Filmmuseum und eng mit den Anthology Film Archives in New York verbunden, hat ein fast vierstündiges Porträt über Kubelka gedreht, das jetzt als Doppel-DVD in der Edition Filmmuseum erschienen ist. Wenn es nicht so lebendig wäre, könnte man es ein Denkmal nennen. Kubelka, immer im weißen Hemd, meist mit schwarzer Weste, vermittelt seine Film-Philosophie, erzählt seine Familiengeschichte, sitzt am Schneidetisch und kommentiert seine Filme, zeigt Objekte aus seinen erstaunlichen Sammlungen, hält Vorträge zur Metrik, zur Zeit, zur Sprache und zum Kochen. Kudláček ist mit ihrer Handkamera meist nahe bei ihm, und doch wackelt da nichts, weil Kubelka als Ruhepol fungiert und so viel zu sagen hat, dass man über die universellen Bezüge nur staunen kann. Gesprochen wird Englisch, es gibt keine Untertitel, weil sie das Bild zerstören würden; das lehnt Kubelka grundsätzlich ab. Zu den einmontierten Dokumenten gehören Ausschnitte aus einer amerikanischen Talkshow von 1972 (EATING THE UNIVERSE) und filmische Tagebuchskizzen von Jonas Mekas. Auch den 1970 gegründeten Anthology Film Archives ist ein Kapitel gewidmet. Den Schluss bildet – wie könnte es anders sein – die Fertigung eines Wiener Schnitzels. Die DVD ist auch ein Beitrag zum 50. Geburtstag des Filmmuseums, das in der Edition der Archive einen wichtigen Platz hat. Mehr zur DVD: Fragments-of-Kubelka.html

Robert Bresson

2014.BressonIm Berliner Arsenal beginnt heute eine Robert-Bresson-Retrospektive. Gezeigt werden alle 13 Filme, die der Regisseur zwischen 1943 und 1983 realisiert hat. Zur Eröffnung wird UNE FEMME DOUCE (1969; Foto) gezeigt, mit einer Einführung der Filmemacherin Angela Schanelec. Morgen Abend ist JOURNAL D’UN CURÉ DE CAMPAGNE (1951) zu sehen, eingeführt von Winfried Günther. Frieda Grafe: „Bresson begann als Maler. Was ihn am Kinematographen – die Bezeichnung, die sich vom Kino absetzt, übernahm er von Cocteau – so fasziniert sind die wunderbaren Möglichkeiten des technischen Mediums; die Kamera als Lupe, die Kamera, die ungerührt und ungeprägt soviel mehr registriert als das vom Denken und Konventionen befangene menschliche Auge. Er möchte Technik im Einmannbetrieb. Das Kollektiverlebnis des Filmemachens, das vielen Filmern so wichtig ist an ihrer Arbeit, interessiert ihn nicht. Vor allem soll das Kino keine Industrie sein.“ (SZ, 27. November 1980; damals lebte Bresson noch; er drehte seinen letzten Film 1983: L’ARGENT; er starb 1999). Im Arsenal zu sehen sind auch vier Dokumentationen über Bresson, darunter der Film ZUM BEISPIEL BRESSON (1967) von Theodor Kotulla, Hans Stempel und Martin Ripkens und ROBERT BRESSONS FILM „DAS GELD“ („L’ARGENT“) von Harun Farocki, Hartmut Bitomsky und Manfred Blank. Mehr zur Retrospektive: article/4790/2796.html

Österreichisches Filmmuseum (3)

Layout 1Fünfzig Objekte aus den Samm-lungen des Österreichischen Filmmuseums sind für dieses wunderbare Buch ausgewählt worden: technische Geräte, Fotos, Plakate, annotierte Drehbuchseiten, Filmstreifen. 18 Autorinnen und Autoren, in der Mehrzahl Angestellte des Museums, haben kurze Texte dazu geschrieben. Die Vielfalt des Gezeigten öffnet jedem das Herz, der in einem Filmmuseum tätig war. Es schieben sich bei mir in der Erinnerung Objekte aus den Sammlungen der Kinemathek neben die der Kollegen. Ich greife zehn Beispiele aus Wien mit besonderer Bewunderung heraus (Neid sollte in diesem Zusammenhang nicht aufkommen): 39 teils bewegliche Schiebebilder für die Laterna Magica in der Originaltruhe, 1860-1880. Kinoaushang zu METROPOLIS, 1927, handkoloriert. Storyboards und Notizen von Dziga Vertov zum MANN MIT DER KAMERA, 1929. Foto-Konvolut zu Josef von Sternbergs (verloren gegangenem) Film THE CASE OF LENA SMITH, 1929. Tagebuch von Amos Vogel, Wien 1936. Scrapbook von Ernst Marischka zu seinem Film SISSI, 1955. Mappe „New American Cinema“, Unterlagen und Dokumente, 1962-1998 (die Mappe enthält rund 600 Einzelobjekte). Autograph des Manifests „Que faire?“ von Jean-Luc Godard, 1970. Regie-Drehbuch von Michael Haneke zu seinem Film AMOUR, 2012. Das Gästebuch des Filmmuseums, ab 1987. Herausgeber des Bandes sind Paolo Caneppele, Leiter der Sammlungen des Österreichischen Filmmuseums, und Alexander Horwarth, Direktor des Filmmuseums. Von ihnen stammen auch zwei schöne Einführungstexte. Mehr zum Buch: 1386672122445#.UvETGOmPJ9M

Österreichisches Filmmuseum (2)

Layout 1Der zweite Band zum 50jährigen Bestehen des Österreichischen Filmmuseums ist eine Antho-logie mit Texten und Dokumen-ten zu seiner Geschichte, herausgegeben von Alexander Horwath unter Mitarbeit von Eszter Kondor. Mit 352 Seiten ist es der umfangreichste Band. Er enthält dreißig Originalbeiträge in Form von persönlichen Erinnerungen, Glückwünschen oder Kino-Assoziationen. Unter den Autorinnen und Autoren befinden sich Ruth Beckermann, Eileen Bowser, Paolo Cherchi Usai, Werner Dütsch, Helmut Färber (sein Text, ganz am Ende des Bandes, ist einer der schönsten), Harun Farocki, Erika und Ulrich Gregor, Eve Heller, Michael Omasta, Gottfried Schlemmer, Ulrich Seidl, P. Adams Sitney, Sissi Tax, Harry Tomicek und Ingo Zechner. Der Band dokumentiert außerdem 40 zeitgenössische Texte, zum Beispiel einen Brief von Len Lye (1964), eine Postkarte von Michael Snow (1971), einen Brief von Eric Rohmer (1972), eine Postkarte von Herbert Achternbusch (1973), einen Brief von Don Siegel (1975), eine E-mail von Ken Jacobs (2004), ein Fax von Marcel Ophüls (2010), berichtende Texte u.a. von Herbert Achternbusch, Frieda Grafe, Fritz Göttler, Enno Patalas, Bert Rebhandl, Hans Winge. Eine Chronik in Jahrzehntfolge gibt die Struktur vor und erinnert an all die Retrospektiven und Veranstaltungen, die in den vergangenen fünfzig Jahren im Filmmuseum stattgefunden haben. Martin Scorsese, dem Filmmuseum eng verbunden, hat ein Vorwort geschrieben. Und wieder bewährt sich das spezielle Format der Publikationen von Filmmuseum und Synema: 17 cm breit, 20 cm hoch. Ideal zum Blättern und Lesen. Mehr zum Buch: 1386672122438#.UvES6-mPJ9M. Morgen wird der dritte Band besprochen.