Grace Kelly

2014.Kelly 4In unseren Kinos ist zur-zeit der Film GRACE OF MONACO zu sehen, und man kann sich natürlich streiten, ob Nicole Kidman wirklich die ideale Kelly-Darstellerin ist. Wenn man sich die Film Stills an-schaut, die gerade in einem neuen Buch bei Schirmer/Mosel zu bewundern sind, spürt man schnell, wie schwer diese Rolle zu besetzen ist. Allein die Fotos haben eine Aura, die zur Bewunderung zwingt. Elf Kinofilme hat Grace Kelly zwischen 1951 und 56 gedreht, darunter HIGH NOON von Fred Zinnemann, MOGAMBO von John Ford, THE COUNTRY GIRL von George Seaton und die drei Hitchcock-Filme DIAL M FOR MURDER, REAR WINDOW und TO CATCH A THIEF. Mit HIGH SOCIETY von Charles Waters hat sie sich aus Hollywood verabschiedet. Von Thilo Wydra, der im vergangenen Jahr bei Aufbau eine Grace Kelly-Biografie publiziert hat, stammt eine sehr sensible und an einzelnen Szenen orientierte Einführung in den Bildband. Die Fotos sind in der Mehrzahl schwarzweiß und drucktechnisch erste Klasse. Zu jedem Film gibt es noch einen separaten Text von Marion Kagerer, und am Ende steht eine Zeittafel mit einem perspektivischen Datum: 12. November 2014 – 85. Geburtstag von Grace Kelly. Leider ist sie schon 1982 nach einem Autounfall gestorben. Mehr zum Buch: Grace_Kelly.pdf

Die Romanvorlage zu WESTFRONT 1918

2014.WestfrontVor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, daran wird in diesem Jahr immer wieder erinnert. Zu den berühmtesten Filmen über diesen Krieg gehört WESTFRONT 1918 von G. W. Pabst, ein früher Tonfilm aus dem Jahr 1930, der nach dem Roman „Vier von der Infanterie. Ihre letzten Tage an der Westfront 1918“ von Ernst Johannsen gedreht wurde. Johannsen (1898-1977) war Hörspielautor und Schriftsteller, er schrieb mehrere Romane, emigrierte 1939 nach England, kehrte 1957 nach Deutschland zurück und ist inzwischen ziemlich vergessen. Johannsens Roman erschien 1929, wurde wohl viel gelesen, stand aber im Schatten von Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“. Er erzählt sehr authentisch die Erlebnisse von vier Soldaten an der Front, nüchtern, durchaus reflektierend, auch träumend, aber mit tödlichem Ende. Im Buch sind das jetzt 70 Seiten. Dem Roman folgt dann ein analytischer Text von Andre Kagelmann und Reinhold Keiner (35 Seiten) mit Informationen und Überlegungen zum Roman und seiner Verfilmung, kenntnisreich geschrieben und gut strukturiert. Mit zehn Abbildungen wird das Buch optisch geteilt. Erschienen in der Reihe „Filme zum Lesen“. Diese Reihe, herausgegeben von Kagelmann und Keiner, widmet sich literarischen Texten, die Filmklassikern zugrunde liegen oder zugleich mit den Drehbüchern entstanden sind. Dies ist – nach Will Trempers DIE HALBSTARKEN – der zweite Band der Reihe. Mehr zum Buch: eines.html

Vlado Kristl

2014.DammEr war Maler, Poet und Filmemacher. Im westdeutschen Film der 1960er Jahre galt er als der größte Provo-kateur. Vlado Kristl (1923-2004) kam 1963 aus Zagreb nach München. Er hatte bis dahin vier Animationsfilme realisiert. Seinen Film MADELEINE, MADELEINE habe ich in Oberhausen gesehen. Es waren zehn beglückende, verwirrende Minuten, in denen ein hübsches Mädchen Tennisspielen lernt, ein junger Mann durch den Zaun schaut, der Tennislehrer aggressiv wird, zwei Frauen auf dem Platz in Streit geraten, ein Gewitter ausbricht und eine Männerstimme grölt „Ich haaste durch den Wald“. Alle Einstellungen sind zerstückelt, und daraus entsteht ein surrealistischer, beunruhigender Effekt, über den man lachen und staunen kann. Sein erster Langfilm, DER DAMM (1964), wurde von Detten Schleiermacher produziert und fand nicht die notwendige Anerkennung. Auch hier sind die Kontinuitäten der Geschichte formal zerstört. Eine junge Frau im Rollstuhl (Petra Krause, später: Nettelbeck) wird von einem dünnen (Kristl) und einem dicken Mann (Felix Potisk) umworben. Der Dicke gewinnt. In der Tat sind die Montagen der Kristl-Filme ziemlich wahnwitzig. Aber sie haben eine eigene Poesie. Die jetzt in der Edition Filmmuseum erschienene DVD enthält auch das 1970 entstandene Werk FILM ODER MACHT, in dem immerhin Silvia Kékulé, Heinz Badewitz und Wolf Wondraschek mitgewirkt haben. Hauptperson ist Hjalmar-M. „Ringo“ Pretorius, der als Moderator fungiert. Es ist eine Nummernrevue, wieder gegen alle Regeln des Handwerks montiert und mit kleinen Texten gegen die Filmförderung unterlegt. Ein Dokument der Zeit. Die DVD enthält außerdem die vier frühen jugoslawischen Animationsfilme und die Kurzfilme PROMETHEUS (1966), ITALIENISCHES CAPRICCIO (1969) und TIGERKÄFIG (1971). Im ROM-Bereich gibt es Storyboards, Dokumente und Texte. Das Booklet ist sehr informativ. Das Münchner Filmmuseum, das den filmischen Nachlass von Kristl betreut, ist für die Edition verantwortlich. Mehr zur DVD: Der-Damm—Film-oder-Macht.html

Lilli Palmer

2014.PalmerHeute ist der 100. Geburtstag von Lilli Palmer. Sie war einer der großen Stars des westdeutschen Films der 1950er Jahre. In Kurt Hoffmanns FEUERWERK (1954) habe ich sie zum ersten Mal gesehen, aber da war Romy Schneider für mich wichtiger. In Rolf Hansens TEUFEL IN SEIDE und vor allem in Harald Brauns DER GLÄSERNE TURM hat sie mich sehr beeindruckt. Und als sie 1958 im Remake von MÄDCHEN IN UNIFORM Romy Schneiders Partnerin war, fand ich die Konstellation ideal. Über das Leben dieser Schauspielerin, die als Jüdin 1933 emigrieren musste und zunächst in England, dann in den USA Karriere machte, wusste ich damals relativ wenig. 1974 wurde ihre Autobiografie „Dicke Lilli – Gutes Kind“ publiziert. Zum runden Geburtstag der 1986 verstorben Schauspielerin ist jetzt im Aufbau Verlag eine lesenswerte Biografie von Heike Specht erschienen. Sie führt uns in klassischer Chronologie durchs private und berufliche Leben von Lilli Palmer, und da es in diesem Leben viele Brüche gab, fragt die Autorin auch immer wieder nach den Gründen für Ortswechsel und Rollenwahl, am intensivsten bei der Rückkehr nach Deutschland 1954, die auch schnell zur Trennung von ihrem damaligen Ehemann Rex Harrison führte. Es wird zwar häufig aus Palmers Autobiografie zitiert (auch aus der englischen Ausgabe „Change Lobsters and Dance“, die einige andere Schwerpunkte hat), aber die Autorin hat natürlich selbst umfassend recherchiert. So spielt bei ihr Palmers Ehe mit Carlos Thompson eine wichtige Rolle. Und interessant ist die Passage über die Arbeit an dem DEFA-Film LOTTE IN WEIMAR (1974) von Egon Günther; es waren wohl vor allem die häufigen Grenzübertritte zwischen West und Ost, die sie genervt haben; aber auch mit dem Goethe-Darsteller Martin Hellberg hatte sie Probleme. In den späten Jahren lebte Lilli Palmer überwiegend im Schweizer Goldingen und war als Autorin und Malerin tätig. Mehr zum Buch: die-preussische-diva.html

Zuschauertäuschung im long con-Film

2014.Ausgetrickst„Ausgetrickst!“ ist die modifizierte Version einer Dissertation, die an der Universität Siegen entstanden ist. Es geht um Varianten des Trickbetrugs, um dessen filmische Darstellung in neueren amerikanischen Filmen – und es geht dabei natürlich vor allem um die Täuschung des Zuschauers, der durch eine geschickte Dramaturgie und eine entsprechende Erzählperspektive in die Irre geführt wird. Désirée Kriesch definiert zunächst sehr einleuchtend den long con, klärt wichtige Voraussetzungen für „Filmisches Erzählen“ und die „Irreführung als Gegenstand filmischen Erzählens“. Dafür reichen ihr rund 60 Seiten. Im Zentrum ihrer Analyse stehen vier Filme: THE STING (1973) von George Roy Hill mit Paul Newman und Robert Redford, CONFIDENCE (2003) von James Foley mit Edward Burns, MATCHSTICK MEN (2003) von Ridley Scott mit Nicolas Cage und THE SPANISH PRISONER (1997) von David Mamet mit Campbell Scott. Auf jeweils rund dreißig Seiten werden diese vier Filme dramaturgisch und visuell detailliert entschlüsselt. Das fördert viele interessante Beobachtungen und Erkenntnisse zutage, die sehr konkret und nachvollziehbar formuliert sind. In einem letzten Kapitel geht es um die Funktion des verdeckten long con, um die generische und historische Dimension und schließlich um die soziokulturelle Funktion. Der Anhang enthält eine umfangreiche Filmografie, eine Bibliografie und ein Glossar. Die Abbildungen sind hilfreich und technisch akzeptabel. Coverfoto: CONFIDENCE. Mehr zum Buch: www.wvttrier.de/ (dann das Buch suchen).

Takashi Miike

2014.MiikeEr ist der produktivste Regisseur des japanischen Gegenwartskinos. Über 90 Arbeiten hat er bisher realisiert, die sich zwischen Trash und Arthouse bewegen. Takashi Miike (* 1960) hat eine weltweite Fangemeinde, und die Film-Konzepte widmen ihm jetzt ihre Nr. 34, heraus-gegeben von Tanja Prokić. Neun Texte enthält die Publikation, es geht um Serialität und Singularität, um Genre, Tradition und interkulturelle Zusammenhänge, um Ästhetik und Gewalt, auch um Genderperspektiven. Die Herausgeberin Prokić und Alexander Schlicker analysieren den Film YATTERMAN und fragen nach der Darstellung des Superhelden. Arno Meteling beschäftigt sich mit Miikes Samuraifilmen 13 ASSASINS, HARA-KRI: DEATH OF A SAMURAI und IZO, zwei davon sind quasi Remakes. Alexander Schlicker stellt noch einmal 13 ASSASINS mit seinen ekstatischen Todesbildern ins Zentrum, während sich Elisabeth Scherer mit der monströsen Weiblichkeit in den Miike-Filmen auseinandersetzt. Marcus Stiglegger, von dem demnächst ein Kurosawa-Buch publiziert wird, schreibt über den Geschlechterkrieg in dem Psychothriller AUDITION. Den Musicalfilm THE HAPPINESS OF KATAKURIS bringt uns Kayo Adachi-Rabe näher. Bei Manuel Zahn geht es um das Anomale in VISITOR Q, bei Tanja Prokić um das Besondere des Films BIG BANG LOVE, JUVENILE A. Ivo Ritzer äußert sich schließlich zur Überschreitung medienkultureller Grenzen in der TV-Episode MASTERS OF HORROR: IMPRINT. Vielleicht wird Miike durch diese Publikation über den Kreis seiner Fans hinaus bekannt. Mehr zur Publikation: U3M7CxzdJgs

Drehbuchautoren auf der Leinwand

2014.AutorschaftGar nicht so selten sind Drehbuch-autoren (und natürlich auch Autorinnen) – die sich gern als die großen Unbekannten im Film-geschäft bezeichnen – wichtige Figuren im Spielfilm. Mir fallen da sofort SUNSET BOULEVARD (1950) von Billy Wilder, IN A LONELY PLACE (1950) von Nicholas Ray, LE MÉPRIS (1963) von Jean-Luc Godard, THE LAST TYCOON (1976) von Elia Kazan, DER STAND DER DINGE (1982) von Wim Wenders oder THE PLAYER (1992) von Robert Altman ein. Dirk Hohnsträter hat das zum Thema eines kleinen, aber sehr originellen Buches gemacht, das nicht nur Autorinnen und Autoren gefallen müsste. Es gibt drei Kapitel und einen „Nachspann“. Zunächst geht es um die Figuren: wie werden die Drehbuchautoren im Spielfilm dargestellt? Hohnsträter hat 84 Filme gefunden, in denen sie eine wichtige Rolle spielen, meist befinden sie sich im Konflikt mit Produzent oder Regisseur, selten sind sie auf der Gewinnerseite. Es geht vor allem um Probleme mit der Anerkennung. Im zweiten Kapitel („Schreibszenen“) wird die Darstellung der Arbeit geschildert. Wo schreiben die Autoren? Welche Geräte benutzen sie? Das sind über Jahrzehnte natürlich vor allem Schreibmaschinen. Erst bei Wenders kommt der Computer ins Spiel. Im dritten Kapitel wird die Erzählweise thematisiert. Und im Nachspann protokolliert Hohnsträter die „vielleicht beste Einzelszene über das Drehbuchschreiben“, sie stammt aus dem Film THE LAST TYCOON und dauert 8:38 Minuten. Auch auf einige deutsche Filme geht der Autor genauer ein, zum Beispiel FRAUEN SIND KEINE ENGEL (1943) von Willi Forst mit Marte Harell als Autorin, FILM OHNE TITEL (1948) von Rudolf Jugert mit Fritz Odemar als Autor, SOLANGE DU DA BIST (1953) von Harald Braun mit Mathias Wieman als Autor, DIE ZÜRCHER VERLOBUNG (1957) von Helmut Käutner mit Liselotte Pulver als Autorin und das Remake von Stephan Meyer mit Lisa Martinek oder KOKOWÄÄH (2011) von Til Schweiger mit Schweiger als Autor. Es gibt eine Filmografie und eine Bibliografie. Nur der Titel des Büchleins ist, vorsichtig formuliert, etwas spröde. Mehr zum Buch: Autorschaft.html

Große Filmprojekte – nicht realisiert

2014.Die besten Filme...Es gab viele große Film-projekte, die nicht realisiert wurden: weil sie zu teuer wurden, weil die Regisseure nicht zu Potte kamen, weil andere schneller waren. Berühmt wurden zum Beispiel der nicht mehr realisierbare Marilyn Monroe-Film „Something’s Got to Give“ von George Cukor, das Napoleon-Projekt von Stanley Kubrick, der nicht aufgeführte „Holocaust“-Film von Jerry Lewis und das Leningrad-Projekt von Sergio Leone. 54 Projekte werden in diesem Buch von 15 internationalen Filmkritikern vorgestellt, die sie auch ausgewählt haben, beginnend mit einem Napoleon-Vorhaben von Charles Chaplin, endend mit dem Projekt „Potsdamer Platz“ von Tony Scott, der 2012 Suicid beging. Orson Welles hat wohl die meisten unvollendeten Projekte hinterlassen, aber es gab natürlich auch Pläne von Sergej Eisenstein, Alfred Hitchcock, Francis Ford Coppola, Steven Spielberg  oder den Coen Bros., die nicht verwirklicht wurden. „Brazzaville“ sollte die Fortsetzung von CASABLANCA werden, „La Genèse“ war ein visionäres Vorhaben von Robert Bresson und „Il viaggio di G. Mastorna“ wollte Federico Fellini mit Marcello Mastroianni drehen. Manchmal gab es schon Exposés oder Drehbücher, in einzelnen Fällen wurde bereits gedreht und dann abgebrochen, oft war die Werbekampagne längst im Gange und musste gestoppt werden. So gibt es bei vielen Projekten Informationen über den Stoff oder die geplante Besetzung. Simon Braund, Herausgeber des Buches, hat 48 fiktive Filmplakate entwerfen lassen, die man sich gut in der Kinorealität vorstellen kann. Zu jedem Text gehört die Information „Was danach geschah…“ und die Prognose einer noch möglichen Realisierung „Wie stehen die Chancen?“. In der Regel sind die Chancen gering. Bei manchen Projekten bedauert man das nicht, bei anderen ist man traurig. Ein originelles Buch mit vielen Abbildungen. Mehr zum Buch: index.php?id=281

LIVLAND von Volker Koepp

2014.DVD.LivlandIm Kino war dieser Film nicht zu sehen, als er 2012 von der ARD gesendet wurde, habe ich ihn verpasst. Jetzt ist bei Edition Salzgeber die DVD erschienen. Man sollte sie sich auf einem möglichst großen Bildschirm anschauen, denn die Land-schaftsaufnahmen von Thomas Plehnert sind wieder unglaublich schön. Volker Koepp war unterwegs in „Livland“, das ist eine historische Region, die heute teils zu Estland, teils zu Lettland gehört und über Jahrhunderte von den Baltendeutschen geprägt wurde. Volkers Protagonisten sind diesmal vor allem junge Leute, die in ihrer Heimat bleiben wollen, auch wenn ihnen das Überleben im Alltag nicht leicht gemacht wird. Die Glaskünstlerin Guna verdient sich Geld als Innenarchitektin, die Malerin Ilva arbeitet im Tourismus und als Lehrerin; ihr Mann Janis weiß noch nicht so genau, wo er hin will. Es ist Volkers große Begabung, Menschen zum Sprechen zu bringen, ihnen zuzuhören, hier und da auch eine Frage zu stellen. Die Estinnen Paula und Liina studieren Geografie an der Universität in Tartu. Der Dozent Erki weiß viel über die Deutschbalten im 19. Jahrhundert. Und Volker baut mit kleinen eigenen Kommentaren Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Zweimal war er mit seinem Kamera-mann vor Ort: einmal im Winter und dann zur Mittsommerwende. Das schafft unterschiedliche Stimmungen, die aber durch die Menschen, denen wir sehr nahe kommen, ausgeglichen werden. Auch die Musik von Raiitis und Liga Jelevici hat ihre eigene Poesie. Es sind 90 Minuten, die sich radikal vom sonstigen Fernsehrhythmus unterscheiden. Dafür lieben wir Volkers Filme. Mehr zur DVD: 150&sortby=DESC

Medienwelten im 21. Jahrhundert

2014.MedienweltDas Jubiläum „50 Jahre Grimme-Preis“ war die Initialzündung für dieses Buch, und Uwe Kammann, als Direktor des Grimme-Instituts gerade in den Ruhestand gegangen, ist einer der beiden Herausgeber. Sein Partner ist Jochen Hörisch, Professor für Neuere Germanistik und Medienanalyse in Mannheim. 30 Personen (eigentlich sind es sogar 31, denn der Text von Friedrich Küppersbusch und Mike Sandbothe ist ein Streitgespräch) formulieren ihre Überlegungen, Hoffnungen, Forderungen für die Medienwelt im 21. Jahrhundert. Ich nenne zwölf, die mir persönlich gut bekannt sind und auf deren Texte ich besonders neugierig war. Uwe Kammann behält den Überblick und schreibt als „Position 1“ über „Wohl und Wehe“, das meint: die „Weltorientierung in den modernen Medienräumen“. Gundolf S. Freyermuth formuliert „Zehn Thesen zu variationsreichen Digital-Formen erzählten Lebens“, wie immer intelligent und zukunftsorientiert. Hans Jahnke plädiert für ein (Wieder-)Entdecken der Fernsehgeschichte und erinnert damit auch an die Geschichte des Grimme-Preises. Bei Nico Hofmann geht es um „Historische Wirklichkeit und Emotionalität in der Fernsehfiktion“, er schlägt einen Bogen von Egon Monk zu UNSERE MÜTTER, UNSERE VÄTER. Bettina Reitz denkt „Über den kulturellen Wert öffentlich-rechtlicher Fernsehproduktionen“ nach, und das führt am Ende auch sie zum Grimme-Preis. Fritz Wolf wird seiner Rolle als Anwalt des Dokumentarfilms gerecht und nennt konkret einige wichtige Namen aus dem Spektrum des Genres: Klaus Stern, Heidi Specogna, Christoph Hübner, Eric Fiedler, Harun Farocki, Carmen Losmann. Norbert Schneider weigert sich, das Fernsehen zu schmähen, und sagt uns „Was vom Fernsehen bleibt“. Barbara Sichtermann wirft einen Blick auf „Das Geschlechterverhältnis im Fernsehen“ und öffnet dabei einige originelle Perspektiven. Katja Nicodemus reflektiert über die Voraussetzungen der Filmkritik und fordert mehr „Ernsthaftigkeit, Offenheit und Neugier“. Für Klaus Staeck gilt „Das ewige Prinzip Aufklärung“, denn er sieht die „Medienarbeit als Annäherung an vernünftiges Denken und Handeln“ und fordert noch einmal ein kommerzfernes öffentlich-rechtliches Fernsehen. Torsten Körner schildert mediales Leiden und denkt „Über Entgrenzung und Begrenzung der Empathie“ nach. Alexander Kluge bezieht in seinem Text natürlich keine „Position“, er zitiert Dialoge, die er kürzlich für einen Film mit der Schauspielerin Hannelore Hoger geführt hat, wobei sie u.a. die Rolle einer Gorillaforscherin, einer Elefantenwäscherin, einer Trümmerfrau im April 1945 und einer Medientheoretikerin spielt. Auch so kann man eine Vision von der „Medienwelt im 21. Jahrhundert“ vermitteln. Wer sich über diese Welt Gedanken macht, ist mit dem Buch bestens bedient. Mehr zum Buch: 978-3-7705-5699-1.html