Babelsberger Kameramänner

2015.Babelsberg 1In Babelsberg wurde deutsche Film-geschichte geschrieben, von Regis-seuren, Schauspie-lerinnen und Schauspielern, aber vor allem auch von Kameraleuten. Uwe Fleischer und Helge Trimpert porträtieren sechs heraus-ragende Persönlich-keiten, die hinter der Kamera, zum Teil als Erfinder oder Trickspezialisten, in den vergangenen hundert Jahren für die Filmstadt Großes geleistet haben: Guido Seeber (1879-1940), Eugen Schüfftam (1886-1977), Gerhard Huttula (1902-1996), Ernst Kunstmann (1898-1995), Kurt Marks (1933-2011) und Erich Günther (*1923). Bei Seeber, Schüfftan und Kunstmann handelt es sich um fiktive Interviews mit sehr sachkundigen Fragen, bei Gerhard Huttula ist Rolf Giesen der informierende Gesprächspartner, bei Marks und Günther sind es reale Interviews, die hier zu lesen sind. In einem Gespräch mit Uwe Fleischer, der ab 1970 im Studio Babelsberg gearbeitet hat und von 1981 bis 1994 Chef der DEFA-Trickabteilung war, geht es schließlich um den Übergang ins digitale Zeitalter. Und das Buch schließt mit einem Gespräch mit Michael Düwel, dem Geschäftsführer des Art Departments im Studio Babelsberg. Eine Chronik am Anfang und ein Glossar am Ende bieten einen informativen Rahmen. Herausragend ist die Qualität der Abbildungen, teils in Schwarzweiß, teils in Farbe. Auch auf kleineren Abbildungen sind noch Details erkennbar. Coverfoto: Vorsatzmodell für den DEFA-Film RAT DER GÖTTER von Kurt Maetzig, realisiert von dem Trickspezialisten Ernst Kunstmann. Mehr zum Buch: trickkiste.html

Gustav Ucicky

786_big_ucicky_u1shop-1Dies ist das erste Buch über den österreichischen Kameramann und Regisseur Gustav Ucicky (1899-1961).  Filmhistoriker verbinden mit seinem Namen Titel aus der Zeit der Weimarer Republik (DAS FLÖTENKONZERT VON SANS-SOUCI mit Otto Gebühr und Renate Müller, YORCK mit Werner Krauß und Gustaf Gründgens, MORGENROT mit Rudolf Forster und Adele Sandrock), aus der Nazizeit (DER ZERBROCHENE KRUG mit Emil Jannings, DER POSTMEISTER mit Heinrich George und Hilde Krahl, HEIMKEHR mit Paula Wessely), aus den 1950er Jahren (BIS WIR UNS WIEDERSEH’N mit Maria Schell und O. W. Fischer, DER KAPLAN VON SAN LORENZO mit Dieter Borsche und Gertrud Kückelmann, DER PRIESTER UND DAS MÄDCHEN mit Rudolf Prack und Marianne Hold). Der Titel der Publikation formuliert eine Ambivalenz: „Professionalist und Propagandist“. Ernst Kieninger nennt ihn in seinem Vorwort einen „Mann ohne Eigenschaften“. Das Filmarchiv Austria hat in das Buch (Umfang: 568 Seiten) viel Arbeit investiert, die Recherchen und Analysen sind beeindruckend, sie wurden von Christoph Brecht, Armin Loacker und Ines Steiner geleistet. Vor allem bei der Lektüre der Analysen spürt man, wie genau die einzelnen Filme gesehen wurden, wie komplex ihre Interpretationen formuliert sind, wie ästhetische und zeitgeschichtliche Fragestellungen in einem Zusammenhang gebracht werden. Immer wieder wird dabei auf die Quellenlage verwiesen, die durch die Zusammenarbeit mit vielen Archiven hervorragend war, aber natürlich auch ihren Grenzen hatte. Texte von Ucicky selbst gibt es wenige. Er hat sich immer im Hintergrund gehalten. Das Kapitel „Persönliches von Gustav Ucicky“ stammt von seiner Witwe Ursula Ucicky: Erinnerungen an Filme, die er für sie formuliert hat, und Auszüge aus Briefen, die er ihr geschrieben hat. Zahlreiche Abbildungen in hervorragender Qualität. Mehr zum Buch: http://filmarchiv.at/ und dann zum Shop.

WAS HEISST HIER ENDE?

2015.AlthenHeute Abend hat der Film von Dominik Graf über unseren 2011 verstorbenen Freund Michael Althen im Delphi seine Premiere: WAS HEISST HIER ENDE? Dominik hat es auf – für mich – beeindruckende Weise geschafft, den Kern von Michaels Schreiben und Denken über das Kino, über Kunst und über das Leben präsent zu machen. Es sind 120 schöne und zugleich traurige Minuten, in denen wir noch einmal mit Michael zusammen sind. Wir hören die Erinnerungen seines Vaters Adolf und seiner Mutter Hanna, von Bea, Artur und Teresa. Die große Nähe von Michael zu den Filmemachern Romuald Karmakar, Caroline Link, Christian Petzold, Tom Tykwer und Wim Wenders ist in ihren Gesprächen mit Dominik wirklich zu spüren. Und natürlich tragen viele Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen ganz konkret zum Blick auf Michaels Leben bei, vor allem Wolfgang Höbel, Andreas Kilb, Tobias Kniebe, Peter Körte, Doris Kuhn, Stephan Lebert, Harald Pauli, Milan Pavlovic, Evelyn Roll, Claudius Seidl und Anke Sterneborg. Schön sind die Beschreibungen von Cannes und Venedig, von München und Unterhaching, Paris und Berlin, interessant ist das Meinungs-spektrum zum Thema neue Filmkritik. Und natürlich fehlt nicht der Besuch bei Schumann’s. Tobias Streck, der 2008 den Film AUGE IN AUGE von Michael und mir montiert hat, war auch hier für den Schnitt verantwortlich. Und Joe Schroeders Preview Production hat produziert. Vielen Dank, Dominik, für diesen Film. Im Mai kommt er ins Kino. Mehr zum Film: .php?id=154

Marcel Ophüls

2015.OphülsHeute wird der Filmregisseur Marcel Ophüls (*1927) mit der Berlinale-Kamera ausgezeichnet. In einem Berlinale-Special wird sein Film THE MEMORY OF JUSTICE (1973-76) gezeigt, der die Nürnberger Prozesse thematisiert und über vier Stunden dauert. – Im Propyläen Verlag sind gerade die Erinnerungen von Marcel Ophüls erschienen: „Meines Vaters Sohn“, eine Lebens-geschichte mit vielen Stationen und Bezugs-personen, wobei der Vater Max Ophüls natürlich die wichtigste ist. Marcel war fünf Jahre alt, als die Familie vor den Nazis von Berlin nach Paris floh, es gab dann kurze Aufenthalte in Italien und in Moskau, nach Kriegsbeginn gewährte die Schweiz Asyl und 1941 gelang die Ausreise in die USA. 1949 kehrte der Vater Max nach Deutschland zurück, der Sohn Marcel studierte zunächst an der University of California, dann an der Sorbonne und wurde „eines schönen Tages“ Regieassistent von John Huston bei dem Film MOULIN ROUGE. Damit begann eine Filmlaufbahn, die von der Assistenz zur Regie führte, vom Spielfilm zum Dokumentarfilm. Auch wenn Marcel Ophüls sein Leben weitgehend chronologisch erzählt, gibt es immer wieder Zeitsprünge und Ortswechsel, die den Leser etwas atemlos machen. Die Geduld, die er in seinen Dokumentarfilmen aufbringt, um seinen großen Themen gerecht zu werden, hat er als Autor nicht. Natürlich erfährt man trotzdem viel über seine Arbeit, über die Filmbranche und über seinen Vater. Eine zweite Erzählebene des Buches bilden die 112 Fußnoten am Ende des Buches. Sie sind keine Quellenverweise, sondern liefern eigenständige Informationen, Anekdoten oder Bosheiten, die höchst lesenswert sind. Mehr zum Buch: 9783843710633.html

AUGE IN AUGE

2015.DVD.AiAEndlich gibt es den Film AUGE IN AUGE auf DVD als Einzelstück zu kaufen. 2009, ein Jahr nach der Premiere auf der Berlinale, hatte das Goethe-Institut DVDs für den internen Gebrauch hergestellt. 2010, zur 60. Berlinale, edierte die FAZ die Box „Momente des deutschen Films“ mit zehn Spielfilmen und AUGE IN AUGE als Zugabe. Jetzt hat Absolut Medien den Film in sein DVD-Programm aufgenom-men, und dafür bin ich Molto Menz sehr dankbar. Immer wieder wurde ich in den vergangenen Jahren nach verfügbaren DVDs gefragt und konnte bisher nur mit den Schultern zucken. Jetzt ist der Film, den ich mit Michael Althen gemacht habe, wirklich verfügbar. Und es ist – ich bin natürlich befangen – einfach schön, zusammen mit Michael Ballhaus, Doris Dörrie, Andreas Dresen, Dominik Graf, Wolfgang Kohlhaase, Caroline Link, Christian Petzold, Tom Tykwer, Wim Wenders und Hanns Zischler in der deutschen Filmgeschichte unterwegs zu sein, den berühmten Schauspielerinnen und Schauspielern beim Küssen, Rauchen, Schreien, Telefonieren zuzuschauen, ihre Blicke zu verorten und darüber nachzudenken, was spezifisch „deutsch“ ist am deutschen Film. Die DVD enthält die deutsche, von Michael Althen gesprochene Fassung sowie Sprachfassungen in Englisch und Französisch (Sprecher: Mario Adorf), in Spanisch (Sprecher: Peter Lohmeyer) und Portugiesisch (Sprecherin: Christina Do Rego). Es gibt als Extras Statements der Filmemacher, Schnittbilder, eine Hörfassung für Sehbehinderte und eine ausführliche zweite Audiodeskription als reine Audiofassung. Ich hoffe natürlich, dass die DVD viele Käufer findet und der Film dadurch präsent bleibt. Mehr zur DVD: Auge+in+Auge+-+Eine+deutsche+Filmgeschichte

Scenario 9

2015.Scenario 9Ein Kegler würde jetzt wohl sagen „Alle Neune!“. Und sich über den Wurf freuen. Aber das Kegeln ist nicht meine Welt, und so sage ich mit einer Verbeugung vor dem Heraus-geber Jochen Brunow: der neunte Band von „Scenario“ ist da, und es gibt Grund zur Freude. In einer Veranstaltung im Museum für Film und Fernsehen wird heute der neue Film- und Drehbuchalmanach präsentiert. Er ist wieder mit Unterstützung der Deutschen Filmakademie erschienen, und die Präsidentin Iris Berben wird heute ausgewählte Texte daraus lesen. Die Auswahl wird ihr nicht ganz leicht gefallen sein, denn es gibt wieder viele interessante Beiträge. Das Werkstattgespräch hat Jochen Brunow zum zweiten Mal (nach Ruth Toma in „Scenario 2“) mit einer Autorin geführt: mit Heide Schwochow, der Mutter des Regisseurs Christian Schwochow, die bisher fünf Drehbücher geschrieben hat, zuletzt BORNHOLMER STRASSE (2014). Sie stammt aus der DDR, hat verschiedene Ausbildungen absolviert und kann sehr reflektiert über ihre Arbeit als Autorin sprechen. Die vier „Essays“ stammen von dem dffb-Absolventen Paul Salisbury („Mein Weg vom Tagträumer zum Drehbuchautor in nur 360 Monaten“), Thomas Knauf („Erinnerungen an eine Filmschule“ – zum 60. Geburtstag der HFF Konrad Wolf), Sascha Arango („Erzählen und Verschweigen oder vom Drehbuch zum Roman und wieder zurück“ – ein glänzend formulierter Erfahrungsbericht über seinen erfolgreichen Ausflug in die Literatur, zum Verlag Random House) und Gerhard Midding (über Jean-Claude Carrière und sein Buch „Der Kreis der Lügner“). Das „Journal“ von Xao Seffcheque erzählt die Entstehungsgeschichte seines Films DIE KLEINEN UND DIE BÖSEN und dokumentiert vor allem seine Beharrlichkeit. In der Rubrik „Backstory“ ist zunächst, eingeleitet von Gerhard Midding, der überarbeitete Nachruf von Bertrand Tavernier auf den amerikanischen Drehbuchautor David Rayfiel (1923-2011) dokumentiert. Dann folgt ein hervorragend recherchierter Text von Michael Töteberg über die Mitarbeit des Autors Hans Werner Richter am Drehbuch des Film VON GOTT UND DEN MENSCHEN (1955) von Erich Engel und Richters Versuch, seine Erfahrungen in der Filmwelt in einem satirischen Hörfunkfeature („Pipapo – Die Geschichte eines Drehbuchs“, 1955) zu verarbeiten, das nach der Erstsendung im NWDR durch juristische Einsprüche im Giftschrank landete und später in Vergessenheit geriet. Auch eine Fernsehversion von Michael Kehlmann (unter dem Titel DIE WEICHEN SIND FALSCH GESTELLT, 1956) wurde verhindert. Die „Lesezeichen“ führen zu den Büchern „Erzählstimmen im aktuellen Film“ von Christina Heiser (Jochen Brunow verbindet dies mit eigenen Überlegungen zur Voice-over-Narration), „Der Klang des Films“ von Peter Rabenalt (rezensiert von Elke Rössler), „Der Tramp und die Bombe“ von James Agee und „Verzehrt“ von David Cronenberg (beide Texte von Manuela Reichart) und diversen Titeln im Lektürestreifzug von Andreas Resch. Das Drehbuch des Jahres, „In den Gängen“, stammt von Thomas Stuber und Clemens Meyer und wurde gestern von der Kulturstaatsministerin Monika Grütters ausgezeichnet. Coverfoto: NOVEMBERKIND. – Nun freuen wir uns auf „Scenario 10“.

Helga Reidemeister 75

2015.ReidemeisterHeute wird die Dokumentaristin Helga Reidemeister 75 Jahre alt. Sie ist Absolventin der Deutschen Film- und Fern-sehakademie, wurde 1973 an die dffb aufgenommen; ich war damals Mitglied der Prüfungs-kommission, also kenne ich sie jetzt schon über 40 Jahre. Ich habe viele (nicht alle) Filme von ihr gesehen, ich bewundere ihr Engagement, ihre Beharr-lichkeit, ihre Empathie. Besonders beeindruckt haben mich ihre Filme DREHORT BERLIN (1987), LICHTER AUS DEM HINTERGRUND (1998) und ihr zweiter Afghanistan-Film MEIN HERZ SIEHT DIE WELT SCHWARZ – EINE LIEBE IN KABUL (2009). Seit vielen Jahren ist sie im In- und Ausland als Dozentin tätig und hat inzwischen eine Honorarprofessur an der Filmakademie in Ludwigsburg. Sie wird von Studentinnen und Studenten geliebt, weil sie sozusagen mit dem Herzen filmt, ganz nah bei den Menschen, meist Frauen, für die sie sich engagiert. Ihre Dokumentarfilme sind nicht „beobachtend“, sie sucht den engen Kontakt zu den Protagonisten, sie ist parteilich. Zu ihrem Geburtstag wurde ihr neuester Film, SPLITTER AFGHANISTAN, in der Akademie der Künste uraufgeführt, im Arsenal war der Film VON WEGEN „SCHICKSAL“ zu sehen, und im Bundesplatz-Kino gibt es noch bis Ende März eine Werkschau mit Einführungen und Gesprächen. Britta Hartmann und Gerlinde Waz haben in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinemathek eine sehr schöne und informative Broschüre über Helga Reidemeister herausgegeben, die ich ausdrücklich empfehle. Liebe Helga, ich gratuliere Dir sehr herzlich zu Deinem 75. Geburtstag!

Kino „International“

2015.Kino InternationalIm Mai 1961, als der Bau des Kinos „Inter-national“ begann, hieß die Straße zwischen Alexander-platz und Straußberger Platz noch Stalinallee, im November 1963, als es mit dem sowjetischen Film OPTI-MISTISCHE TRAGÖDIE eröffnet wurde, war die Adresse Karl-Marx-Allee 33. Inzwischen gehört es zur Yorck Kinogruppe, hat vor gut einem Jahr sein 50jähriges Bestehen gefeiert, gilt als gesichert für die nahe Zukunft und ist bei vielen Kinobesuchern sehr beliebt. Der Architekt und Stadtplaner Dietrich Worbs hat jetzt im Gebr. Mann Verlag ein hervorragend recherchiertes Buch über die Geschichte des „International“ publiziert. Sehr detailliert werden Bauplanung, Realisierung und Gestaltung des Gebäudes geschildert. Vor allem die Platzierung des Kinosaals im ersten Stock galt als ungewöhnlich. Der Architekt Josef Kaiser war für die Planung verantwortlich. Das Buch vermittelt interessante Informationen über sein Leben und seine Arbeit. In der DDR-Zeit war das „International“ das große Premierentheater. Ich erinnere mich persönlich an viele Besuche in den 60er und 70er Jahren. Worbs widmet ein eigenes, umfangreiches Kapitel den Premieren der DEFA-Filme SPUR DER STEINE (30. Juni 1966), LOTTE IN WEIMAR (6. Juni 1975), SOLO SUNNY (17. Januar 1980) und COMING OUT (9. November 1989) im „International“. Er zitiert Zeitzeugen und dokumentiert die Presseresonanz. Auch dem Fassaden-Relief „Aus dem Leben der heutigen Menschen“ gilt ein Kapitel. Am Ende, für die Zeit ab 1990, geht es noch um Denkmalschutz, Treuhand-Verwaltung, Verkauf und Erhaltung des Kinos. Viele Abbildungen in bester Qualität. Coverfoto: Erik-Jan Ouwerkerk, 2014. Ein Kinobuch, wie man es sich wünscht. Mehr zum Buch: 302711&verlag=3

Robert Siodmak

2015.Siodmak1998 war die Retrospektive der Berlinale dem Regisseur Robert Siodmak (und seinem Bruder, dem Drehbuchautor Curt Siodmak) gewidmet. Die Publikation ist als Monografie kaum zu übertreffen. Im Frühjahr 2014 fand im Zeughaus-kino eine fast vollständige Robert Siodmak-Retrospektive statt. Frederik Lang, Kurator dieser Retrospektive, hat jetzt aus den acht dort gehaltenen Filmeinführungen ein kleines, sehr lesenswertes Büchlein gemacht, das im Schüren Verlag erschienen ist. Von Wolfgang Jacobsen stammt eine liebevolle „Vorbemerkung“, die Siodmaks Gesamtwerk im Blick hat. Chris Wahl beschäftigt sich mit Siodmaks Sprachversionsfilmen für die Ufa. Frederik Lang führt in die in Japan wiedergefundene deutsche Fassung von STÜRME DER LEIDENSCHAFT ein (den Film habe ich hier zum ersten Mal gesehen, er hat mich sehr beeindruckt) und vergleicht die deutsche Fassung von VORUNTERSUCHUNG mit Albert Bassermann mit der französischen Version AUTOUR D’UNE ENQUÈTE mit Jean Périer. Karl Prümm macht interessante „Anmerkungen“ zu der musikalischen Komödie LA CRISE EST FINIE!. Ralph Eue vermittelt einige Fakten und Überlegungen zum Dschungelfilm COBRA WOMAN (1943, auch: Coverfoto). Lukas Foerster formuliert kurz, aber überzeugend „Seh-Eindrücke zu CHRISTMAS HOLIDAY“; der damalige Einführungstext von Norbert Grob zu Siodmaks Bedeutung für den Film Noir stand leider nicht zur Verfügung. Und Claudia Mehlinger sieht Siodmaks Gerhart-Hauptmann-Verfilmung DIE RATTEN mit Maria Schell aus heutiger Perspektive. Von Frederik Lang stammt eine Übersicht über die Filme der Retrospektive mit Cast und Credits in Minimalform, Herkunft der Kopie und kurzen Texten zu den Filmen. Ein kleines, feines Robert Siodmak-Buch. Mehr zum Buch: 442–robert-siodmak.html

PANZERKREUZER POTEMKIN / OKTOBER

2014.DVD.PotemkinNatürlich stehen in meinem DVD-Regal die Eisenstein-Filme PANZER-KREUZER POTEMKIN (1925) und OKTOBER (1928), ich glaube, sie stammen von der Firma Icestorm, und ich habe sie seit mindestens zehn Jahren. Schließlich sind es legendäre Filmklassiker, die man einfach besitzen muss. Die neue DVD in der Edition Filmmuseum bietet etwas Neues und Besonderes: sie präsentiert die originale deutsche Schnittfassung des POTEMKIN mit der von Helmut Imig rekonstruierten Orchestermusik von Edmund Meisel (70 Minuten) und die von Meisel selbst verantwortete Tonfassung von 1930 mit nachträglich aufgenommenen Geräuschen und Dialogen (49 Minuten). Von dem Film OKTOBER, der in Deutschland unter dem Titel ZEHN TAGE, DIE DIE WELT ERSCHÜTTERTEN zu sehen war, gibt es von der deutschen Fassung nur noch ein Fragment von 35 Minuten. Die rekonstruierte Originalfassung, die auf der DVD mit der von Frank Strobel und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin eingespielten Musik von Edmund Meisel zu sehen und zu hören ist, dauert 116 Minuten. Es ist spannend, die unterschiedlichen Fassungen zu sehen, hilfreiche Kommentare enthält das Booklet mit Beiträgen von Thomas Tode, Richard Siedhoff und Stefan Drössler (von ihm stammt eine sehr informative „Chronologie Sergej Eisenstein – Edmund Meisel“). Zum Bonusmaterial gehört der Kurzfilm VINTIK-SPINTIK / DIE KLEINE SCHRAUBE (1927) von Vladislav Tvardoskij. An der DVD-Edition waren viele Institutionen und Personen beteiligt, ich nenne mal die Institutionen, die auf dem Cover genannt werden: Filmmuseum München, Österreichisches Filmmuseum, Deutsche Kinemathek, Technisches Museum Wien, Deutsches Filminstitut, Gosfilmofond, ZDF/Arte. Die Kooperation hat sich gelohnt. Mehr zur DVD: Potemkin—Oktjabr-.html