A bissel was geht immer (Geschenk 8)

Die drei Fernsehserien von Helmut Dietl sind legendär: MÜNCHNER GESCHICHTEN (1974, neun Folgen), MONACO FRANZE (1981-83, zehn Folgen), KIR ROYAL (1986, sechs Folgen). Hauptfiguren der ersten Serie waren der Ge-schäftsmann und Vorstadt-strizzi Karl „Tscharli“ Häusler (Günther Maria Halmer), seine Oma Anna (Therese Giehse), sein Freund Gustl (Frithjof Vierock), seine Verlobte Susi (Michaela May), deren Eltern Erwin (Karl Obermayr) und Ruth (Ruth Drexel), der Taxifahrer Achmed (Towje Kleiner) und der Musiker Leopold Heinrich (Karl-Maria Schley). Melancholie und Komik sind die tragenden Elemente der Episoden. Titelfigur der zweiten Serie war der Münchner Kriminalkommissar Franz Münchin-ger (Helmut Fischer), der zum Frühpensionär und Privatdetektiv wird. Er lebt mit seiner Frau, der Antiquitätenhändlerin Annette von Soettingen (Ruth Maria Kubitschek), in Schwabing, hat den Kollegen „Manni“ (Karl Obermayr) zum Freund und viele Freundinnen. Zwischendurch werden auch kleinere Verbrechen aufgeklärt. Hauptfiguren der dritten Serie waren der Klatschreporter Baby Schimmerlos (Franz Xaver Kroetz), seine Freundin Mona (Senta Berger), der Fotograf Herbie Fried (Dieter Hildebrandt), die Verlegerin Friderike von Unruh (Ruth Maria Kubitschek) und die Sekretärin Edda Pfaff (Billie Zöckler). Die Satire auf die Münchner Schickeria und die Rolle der Abendzeitung in den 80er Jahren hat große Qualitäten. Die Originalfassungen der Drehbücher sind jetzt im Penguin Verlag erschienen. Dietl hatte sie damals zusammen mit Anita Niemeger (MÜNCHNER GESCHICHTEN) und Patrick Süskind (MONACO FRANZE, KIR ROYAL) geschrieben. Ein wunderbares Geschenk für alle, die gern intelligente Dialoge und originelle Szenenbeschreibungen lesen. Mit Abbildungen. Mehr zu den Büchern: e557593.rhd

Jeanne Moreau (Geschenk 7)

Sie war eine der großen inter-nationalen Schauspielerinnen. Jeanne Moreau (1928-2017) begann ihre Karriere unter Louis Malle, spielte Hauptrollen in Filmen von Michelangelo Antonioni, Roger Vadim, Orson Welles, Luis Buñuel, Joseph Losey, Jacques Demy, François Truffaut, Tony Richardson, Rainer Werner Fassbinder und Wim Wenders. Im Februar 2000 erhielt sie den Goldenen Ehrenbären der Berlinale und wurde mit einer Hommage geehrt. Unvergesslich sind das Timbre ihrer Stimme, ihre Blicke, ihr Gang. Jens Rosteck hat jetzt im Aufbau Verlag eine hervorragende Biografie über Jeanne Moreau veröffentlicht. Ein Zitat von ihr leitet das Buch ein: „Die größte Freiheit ist, man selbst zu sein.“ Die 13 Kapitel haben die Überschriften „Die Verstörende“ – „Die Nachtwandelnde“ – „Die Ungewollte“ – „Die Ehrgeizige“, „Die Abgründige“ – „Die Schwankende“ – „Die Ausgelassene“ – „Die Begehrte – „Die Etablierte?“ – „Die Störrische“ – „Die Königin“ – „Die Unbekümmerte“ – „Die Experimentierfreudige“. Das Buch trägt den Titel „Die Verwegene“. Man kann es jedem schenken, der sich für die Filmgeschichte der Jahre 1960 bis 90 interessiert oder für den Lebensweg einer emanzipierten Frau. Mehr zum Buch: jeanne-moreau.html

DIE BÜCHSE DER PANDORA (Geschenk 6)

Louise Brooks als Tänzerin Lulu bringt drei Männern das Ver-derben und wird selbst das Opfer eines vierten. Die Männer sind Fritz Kortner (Dr. Schön), Carl Goetz (Schigolch), Franz Lederer (Alwa Schön). Ihren Mörder spielt Gustav Diesel (Jack the Ripper). G. W. Pabst hat den Film 1929 inszeniert, das Drehbuch stammte von Ladislaus Vajda nach einem Stück von Frank Wedekind. Der späte Stummfilm fand nur geteilte Resonanz, inzwischen gehört er zu den Klassikern des Weimarer Kinos. Bei atlas film ist jetzt ein Mediabook mit DVD und Blu-ray erschienen, das ein schönes Geschenk ist für alle, die an deutscher Filmgeschichte interessiert sind. Das 24-seitige Booklet enthält einen interessanten Text von Martin Koerber über die Rekonstruktion des Films, eine Rezension von Daniel Kothenschulte nach der Uraufführung der rekonstruierten Fassung bei der Berlinale 1997, Zitate aus zeitgenössischen Kritiken und Auszüge aus der Autobiografie von Louise Brooks. Zu den Extras gehört außerdem der Dokumentarfilm DER SCHATTEN MEINES VATERS: MICHAEL PABST von Robert Fischer. Die Reihe der Nero-Film-Klassiker bei atlas ist herausragend. Mehr zur DVD: https://atlas-film.de/pandora.html

FONTANES WANDERUNGEN (Geschenk 5)

Das Fontane-Jahr neigt sich dem Ende zu. Am 30. Dezember kann man seinen 200. Geburtstag feiern. Zu den interessantesten Projekten, die in diesem Zusammenhang realisiert wurden, gehört der vierteilige dokumentarische Zyklus FONTANES WANDERUNGEN des österreichischen Filme-machers Bernhard Sallmann. 320 Minuten dauert die Reise durch Oderland, Rhinland, Spreeland und Havelland. In ruhigen Bildern öffnet sich die heutige Landschaft und wird mit Fontanes Beschreibungen konfrontiert. Judica Albrecht spricht sie mit einem schönen Timbre, die damaligen Formulierungen wirken nicht „historisch“, sondern verbinden sich mit dem, was wir sehen und an Geräuschen hören. Die Geschichte der vier Flüsse und der Menschen, die hier gelebt haben, ist Teil von Fontanes Texten, die journalistisch formuliert sind, aber eine poetische Dimension haben. Man muss sich Zeit lassen für die vier Filme, die als DVDs bei Absolut Medien erschienen sind. Dann erfährt man viel über die Veränderungen der Welt, in der wir leben. Ein schönes Geschenk für alle, die an Geschichte und Literatur interessiert sind. Mehr zu den DVDs: ODERLAND+-+RHINLAND+-+SPREELAND / Havelland

Hedy Lamarr (Geschenk 4)

Sie war Filmstar, Antifaschistin und Erfinderin. Sie hieß eigent-lich Hedwig Kiesler, wurde 1914 in Wien geboren, spielte 16jährig ihre erste Hauptrolle in dem Film DIE KOFFER DES HERRN O.F. und sorgte 1933 mit ihren Nacktauftritten in EKSTASE von Gustav Machatý international für Aufsehen. 1937 verließ sie Österreich, ging zunächst nach Paris, dann nach London und wurde dort von Louis B. Mayer bei MGM unter Vertrag genommen, der sie nach Hollywood holte und ihr den Künstlernamen Hedy Lamarr gab. Sie spielte große Rollen unter der Regie von John Cromwell, Jack Conway, King Vidor, Clarence Brown, Robert Z. Leonard, Victor Fleming, Jacques Tourneur und Cecil B. DeMille. 1958 drehte sie ihren letzten Film. Eine Episode in ihrem Leben war die – gemeinsam mit dem Komponisten George Antheil – entwickelte Funkfernsteuerung für Torpedos. Sie war sechsmal verheiratet und hatte zahlreiche Affären, auch mit Frauen. Die letzten Jahrzehnte ihres Lebens verbrachte sie in Florida. Michaela Lindinger erzählt die Biografie von Hedy Lamarr/Kiesler in einer geschickten Dramaturgie, also nicht chronologisch, sondern mit assoziativen Wendungen. Das liest sich sehr spannend und entspricht dem unkonventionell verlaufenen Leben der Protagonistin. Das schön gestaltete Buch ist im Wiener Molden Verlag erschienen. Ein Geschenk für alle, die an einer außergewöhnlichen Person interessiert sind. Mehr zum Buch: hedy-lamarr

1001 Filme (Weihnachtsgeschenk 3)

Jetzt gibt es schon die 13. aktu-alisierte Neuausgabe des Buches, die Gesamtauflage weltweit sind 1,9 Millionen Exemplare. 77 Autorinnen und Autoren haben für Texte auf erstaunlich hohem Niveau gesorgt. Die Auswahl der Filme ist natürlich sehr USA-dominiert, aber auch Frankreich und Italien sind gut vertreten. Die Regisseure mit den meisten Filmen sind: Alfred Hitchcock (16), Ingmar Bergman und Howard Hawks (je 10), Stanley Kubrick und Luis Bunuel (je 9), John Ford, Steven Spielberg, William Wyler (je 8). Bei den deutschen Regisseuren ist die Reihenfolge: Fritz Lang (5), Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog, F. W. Murnau (je 4), Wim Wenders (3). Weiterhin ärgerlich: kein DEFA-Film ist dabei. Seit der letzten Ausgabe neu hinzugekommen sind u.a. MOONLIGHT, LA LA LAND, TONI ERDMANN, SHAPE OF WATER, THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING MISSOURI, CALL ME BY YOUR NAME, BLACK PANTHER, PHANTOM THREAD, CAPERNAUM, A STAR IS BORN, ROMA, THE FAVOURITE und VICE. 960 Seiten, exzellente Abbildungen. Ein Geschenk für Freundinnen und Freunde mit filmhistorischem Interesse, geeignet für Kinobesucher und DVD-Sammler. Coverfoto: Bradley Cooper und Lady Gaga in A STAR IS BORN. Mehr zum Buch: 1001-filme-13-neuausgabe/

Robert Gilbert (Weihnachtsgeschenk 2)

Sein Vater hieß Max Winterfeld, nannte sich Jean Gilbert und war ein berühmter Operetten-komponist. So übernahm auch der Sohn Robert den Künstler-namen Gilbert und machte Karriere als Textautor von Schlagern und Libretti. Er hat die Gesangstexte zu 60 Operet-ten und über 100 Tonfilmen geschrieben. Es sei nur erinnert an „Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder“ aus DER KONGRESS TANZT oder „Ein Freund, ein guter Freund“ und „Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen“ aus DIE DREI VON DER TANKSTELLE. Er hat eng mit den Komponisten Werner Richard Heymann, Friedrich Hollaender und Robert Stolz zusammengearbei-tet. In der Weimarer Republik war er politisch engagiert, schrieb Arbeiterkampflieder und stand der KPD nahe. Er emigrierte 1933 zunächst nach Wien, dann nach Paris und schließlich nach New York. 1949 kehrte er nach Europa zurück, lebte vorwiegend in der Schweiz, hatte aber große Erfolge mit den Texten für das Musical „Feuerwerk“ („Oh mein Papa“) und als Übersetzer amerikanischer Musicals („My Fair Lady“, „Oklahoma“, „Cabaret“). Er starb 1978 in Minusio. Die Biografie von Christian Walther ist sehr lesenswert und als Geschenk für all jene geeignet, die an Künstlerleben interessiert sind. Der Autor hat über Gilbert seine Dissertation geschrieben und sie für das vorliegende Buch überarbeitet. Sie ist hervorragend recherchiert und spannend zu lesen. Mit Abbildungen in guter Qualität und einem Vorwort von Max Rabe. – Erschienen bei Christoph Links, der gerade vom BuchMarkt zum Verleger des Jahres 2019 ausgewählt wurde. Mehr zum Buch: 3&titel_nr=9056

Liebe, Lust und Abenteuer (Weihnachtsgeschenk 1)

Heute feiert Georg Stefan Troller in Paris seinen 98. Geburtstag. Gerade hat er ein neues Buch publiziert: „Liebe, Lust & Abenteuer – 97 Begegnungen meines Lebens“. Es sind kurze und längere Zitate aus seinen Fernsehreihen PARISER JOURNAL (ARD 1962-1971), PERSONENBESCHREIBUNG (ZDF 1971-93) und den zahlreichen Porträts, die er realisiert hat. Besonders interessant finde ich die Bekenntnisse von Muhammad Ali, Woody Allen, Charles Aznavour, Ingrid Bergman, Jean Cocteau, Leonard Cohen, Alain Delon, Marlene Dietrich, Gisèle Freund, Serge Gainsbourg, Romain Gary, Françoise Gilot, Juliette Gréco (zusammen mit Michel Piccoli), Peter Handke, John Malkovich, Edith Piaf, Roman Polanski, Arthur Rubinstein, Romy Schneider, Hanna Schygulla, Georges Simenon, George Tabori und Liv Ullmann. Auf den jeweiligen Fotos ist in der Regel auch Troller zu sehen. Und wenn seine Fragen zu lesen sind, hört man natürlich seine unverwechselbare Stimme. Das Buch ist ein wunderbares Geschenk für alle, die an pointierten Blicken in die Kulturszene der vergangenen hundert Jahre interessiert sind. Ich hoffe, Georg Stefan Troller wird hundert Jahre alt. Er kommt regelmäßig zu den Mitgliederversammlungen der Akademie der Künste und hat auch dort viel zu erzählen. Mehr zum Buch: 9783737407540.html

REVENGERS (1972)

Im Bürgerkrieg war John Benedict ein hoch dekorierter Offizier. Dann lässt er sich in Colorado mit Frau und Kindern als Rancher nieder. Während er einen Ausflug unternimmt, wird seine Familie ermordet. Die Täter waren offenbar Coman-cheros und weiße Banditen. John versammelt um sich sechs ehemalige Sträflinge und nimmt die Verfolgung auf. Der Rachefeldzug wird zu einer Odyssee. Mit William Holden (John Benedict), Ernest Borgnine, Woody Strode, Rene Koldehoff und Susan Hayward ist der Film sehr gut besetzt. Daniel Mann hat ihn professionell inszeniert. Die Blu-ray ist jetzt bei Koch Media erschienen. Spannend zu sehen. Mehr zur DVD: revengers_blu_ray/

Europäischer Filmpreis

Heute findet im Haus der Berliner Fest-spiele die Verleihung des Europäischen Filmpreises statt. Hier sind ein paar Prognosen von mir: Bester europäischer Film THE FAVOURITE von Giorgos Lathimos, Beste Regie Giorgos Lathimos, beste Darstellerin Olivia Colman in THE FAVOURITE, bester Darsteller Antonio Banderas in DOLOR Y GLORIA. Durch Juryentscheidungen sind bereits festgelegt: beste Kamera Robbie Ryan für THE FAVOURITE, bester Schnitt Yorgos Mavropsaridis für THE FAVOURITE, bestes Szenenbild Antxon Gómez für DOLOR Y GLORIA, bestes Kostümbild Sandy Powell für THE FAVOURITE, bestes Maskenbild Nadia Stacey für THE FAVOURITE, beste Filmmusik John Gürtler für SYSTEMSPRENGER. Den Preis für sein Lebenswerk erhält Werner Herzog, die Auszeichnung für die beste europäische Leistung im Weltkino Juliette Binoche. Der erstmals verliehene Preis für die beste europäische Serie geht an BABYLON BERLIN von Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries. Moderiert wird die Verleihung von Anna Brüggemann und Aistė Diržiūtė. Mehr zum Preis: Europäischer_Filmpreis_2019