BILDBUCH (2018)

Fünf Finger, fünf Sinne, fünf Kontinente, fünf Kapitel. Jean-Luc Godard nimmt uns mit auf eine Reise durch die Film-geschichte und die Weltge-schichte. Er kommentiert – in der deutschen Fassung spricht er erstaunlich gut Deutsch – und spielt souverän mit den Bildern: bunt eingefärbt, in Zeitlupe, mit vielen Schwarzfilm-Unterbrechungen. Die Musik bleibt eher im Hintergrund. Die fünf Kapitel heißen: „Remakes“, „Die Abende von St. Petersburg“, „Diese Blumen zwischen den Gleisen im wirren Wind der Reisen“, „Geist der Gesetze“ und „Zentralbereich“. Das fünfte Kapitel ist das längste, es thematisiert die Orientsehnsucht, richtet den Blick auf das „glückliche Arabien“ und erscheint mir nicht ganz unproblematisch, wenn Godard (den Anarchisten Albert Cossery zitierend) sagt: „Wenn Du mich fragst, ich bin immer auf der Seite der Bomben.“ Das dritte Kapitel ist für mich das schönste, weil die Filmzitate relativ gut erkennbar sind und sich zu einer wunderbaren 12-Minuten-Hommage der Eisenbahn fügen. Im ganzen Film dominieren Krieg und Gewalt. In den Bildern spürt man eine starke körperliche Präsenz. Natürlich werden auch deutsche Filme zitiert, beispielsweise DIE NIBELUNGEN, DR. MABUSE, DER LETZTE MANN, MENSCHEN AM SONNTAG. Bei Absolut Medien ist jetzt eine DVD des Films erschienen. Das Booklet enthält ein 22-Seiten-Interview mit Godard zu seinem Film. Mehr zur DVD: Jean-Luc+Godard+BILDBUCH

Scotland. Film Locations

Eine Reise durch Schottland zu berühmten Schauplätzen, die mit bekannten Filmen verbun-den sind. Phoebe Taplin beginnt mit „Harry Potter’s Scotland“ und wechselt dann zu James Bond: „The Scottish lochs and mountains are 00-heaven for films futering the Highlands-born spy.“ (S. 6-7). Dann geht es ins „Blockbusting Edinburgh“, zu GREYFRIARS BOBBY von John Gray, über TRAINSPOT-TING von Danny Boyle zu AVENGERS: INFINITY WAR von Anthony und Joe Russo, in die Princess Street mit dem Scott Monument (zu sehen in CLOUD ATLAS von Tom Tykwer) und zu Arthur’s Seat (in CHARIOTS OF FIRE von Hugh Hudson), in die Rosslyn Chapel in der Nähe von Edinburgh (ein Schauplatz von THE DA VINCI CODE von Ron Howard), zum Seacliff Beach (wo u.a. MARY QUEEN OF SCOTS von Josie Rourke gedreht wurde), zurück ins Gosford House (das eine Schlüsselrolle in der zweiten Staffel von OUTLANDER spielte). Dann wechseln wir nach Glasgow, „the city of many faces“, wo Ken Loach mehrere Filme gedreht hat und zahlreiche andere in der George Street, in der Buchanan Street oder im Kelvingrove Park realisiert wurden. Die weiteren Stationen sind „Around Glasgow“ (u.a. GREGORY’S GIRL von Bill Forsyth), „West Highland Line“ (TRAINSPOTTING), „Glenfinnan and beyond“ (BREAKING THE WAVES von Lars von Trier), „Glen Coe and Glen Nevis“ (BRAVEHEART von Mel Gibson), „Loch Laggan and Loch Ness“ (MRS. BROWN von John Madden, LOCH NESS von Jon Henderson), „Eilean Donan“ (HIGHLANDER von Russell Mulcahy), „Skye“ (THE BFG von Steven Spielberg), „Inner and Outer Hebrides“ (WHISKY GALORE! Von Alexander Mackendrick), „Doune Castle“ (MONTY PYTHON AND THE HOLY GRAIL von Terry Gilliam und Terry Jones), „Drummond Castle Gardens“ (ROB ROY von Michael Caton-Jones), „Dunnottar Castle“ (HAMLET von Franco Zeffirelli mit Mel Gibson) und „Around Aberdeen“ (LOCAL HERO von Bill Forsyth). Die Hinweise der Autorin sind ortskundig und filmaffin. Als wir vor drei Jahren in Schottland waren, gab es das Buch leider noch nicht. Mit vielen Abbildungen in guter Qualität. Alles auf 46 Seiten. Mehr zum Buch: scotland-film-locations/

Das Romanische Café

Géza von Cziffra (1900-1989) kam 1923 aus Ungarn über Wien nach Berlin, arbeitete hier zunächst als Journalist, dann als Drehbuchautor und später als Regisseur. Er war Stammgast im Romanischen Café an der Berliner Gedächtniskirche und hat 1981 ein Buch über diese Institution publiziert, das jetzt in einer Überarbeitung in der Reihe „Berliner Orte“ im be-bra verlag erschienen ist. Cziffras Beschreibung des Cafés führt uns in dessen Geografie ein und macht uns vor allem mit den zahllosen Stammtischen bekannt, die für die verschiedenen künstlerischen Professionen reserviert waren. Am sogenannten Slevogt-Tisch trafen sich Max Beckmann, Max Liebermann, Otto Dix oder Rudolf Schlichter. Am Tisch der Theaterdirektoren saßen vor allem Schauspieler und Schauspielerinnen, die Kontakte knüpfen wollten, aber auch Carl Meinhard und Rudolf Bernauer oder Ernst Josef Aufricht, der davon profitierte, dass die Idee zur „Dreigroschenoper“ im Romanischen Café geboren wurde. Am Journalistentisch konnte man Egon Erwin Kisch, Alfred Kerr, Anton Kuh, Kurt Tucholsky oder Karl Vollmoeller antreffen. Zu allen Namen hat Cziffra Anekdoten zu erzählen, die weit über das Romanische Café hinausführen. Und hier sind noch einige Schauspielerinnen und Schauspieler, über die er schöne Geschichten erzählt: Hans Albers, Elisabeth Bergner, Otto Gebühr, Heinrich George, Fritz Kortner, Asta Nielsen, Adele Sandrock. Hundert andere werden in Minigeschichten erwähnt. Es ist ein Kaleidoskop der Kultur der Weimarer Republik, das sich hier auf meist amüsante Weise dreht. Mit Zeichnungen von Emil Orlic, einem Nachwort von Ingrid Feix und einem Personenregister. Mehr zum Buch: das-romanische-cafe.html

Celebration!

In Berlin und Brandenburg fand in diesem Jahr zum 25. Mal das Jüdi-sche Filmfestival statt. Aus diesem Anlass haben das Jüdische Kultur-institut in Deutschland und die Festivalleiterin Nicola Galliner im Verlag Neofelis eine Festschrift publiziert: „Celebration!“. Grußworte von Heiko Maas, Dietmar Woidke, Michael Müller und Kirsten Nie-huus eröffnen den Band. 26 sehr lesenswerte Textbeiträge zu übergrei-fenden Themen oder einzelnen Filmen sind zu lesen. J. Hoberman aus New York äußert sich zur Geschichte des Jiddischen Kinos. Frank Stern aus Wien gibt Antworten auf die Frage „Was ist jüdischer Film und was leisten Jüdische Filmfestivals?“. Julia Friedrich aus Köln erinnert an den Filmgeschichtsunterricht in Günter Peter Strascheks Serie FILM-EMIGRATION AUS NAZIDEUTSCHLAND. Lihi Nagler aus Tel Aviv schreibt über Bilder von Jüdinnen und Juden im deutschen Kino und Fernsehen nach der Wiedervereinigung. Toby Anne Axelrod aus New York porträtiert fünf israelische Filmemacher*innen, die in Deutsch-land arbeiten. Eva Lezzi aus Berlin beschäftigt sich mit dem Auseinan-derklaffen von Bild- und Tonspuren im Dokumentarfilm. Ariel Schweizer aus Paris reflektiert über weibliches israelisches Kino als minoritäres Schreiben. Bei Avner Shavit aus Tel Aviv geht es um das Bild der Ultraorthodoxen im israelischen Kino. Peter Stein aus San Francisco berichtet vom jüdischen Filmfestival in seiner Heimatstadt. Aviva Weintraub aus New York richtet ihren Blick zurück auf den Film HESTER STREET von Joan Micklin Silver. Sissi Tex spricht mit Ulrike Ottinger über den Film EXIL SHANGHAI. Nicola Galliner und Shimon Stein erinnern an die Journalistin Sylke Tempel, von der zwei Texte dokumentiert sind. Katharina Schmidt-Hirschfelder aus Berlin beschäftigt sich mit der Serie AVODA ARAVIT. Peter Stephan Jungk aus Paris erzählt, wie es zu seinem Film TRACKING EDITH kam. Ellen Presser aus München schreibt über Abraham Sutzkever und den Film SCHWARZER HONIG, Petra Palmer aus Berlin über den Essayfilm FOUR PARTS OF A FOLDING SCREEN, Thomas Arbeitshauser aus Berlin über die Hitlersatire MRS.MEITLEMEIHR. Johannes Rhein aus Frankfurt am Main porträtiert den Filmproduzenten Artur Brauner, Katharina Schmidt-Hirschfelder die Kinolegende Gerhard/Gershon Klein. Fritz Göttler aus München befasst sich mit den Filmen von Jeanine Meerapfel, Hannah Brown aus Jerusalem mit den Filmen von Eytan Fox, Régine-Mihal Friedman aus Haifa mit den Filmen von Emmanuel Finkiel, Nirit Anderman aus Tel Aviv mit den Filmen von Iris Zaki. Bildstrecken zu den Jüdischen Filmfestivals der Jahre 2007 bis 2018 durchziehen das Buch, das man als Basis einer Geschichte des jüdischen Films ansehen kann. Mehr zum Buch: 9783958082397

„Ich bin eine Hexe“

Sie war Tänzerin, Schauspie-lerin, Kabarettistin und ein unruhiger Geist. Valeska Gert (1892-1978) lebte und arbeitete in München, Berlin und auf Sylt, ab 1935 vorwiegend in Paris, London, New York und Princetown, ab 1949 wieder in Berlin und in Kampen auf Sylt. Sie brauchte vor allem eine Bühne für ihre Auftritte. Ihre erste Autobiografie veröffent-lichte sie 1931: „Mein Weg“. 1950 folgten die Erinnerungen an die Exilzeit: „Die Bettlerbar von New York“. 1968 erschien erstmals „Ich bin eine Hexe – Kaleidoskop meines Lebens“. Das Buch ist jetzt in einer Neuauflage vom Alexander Verlag publiziert worden. Der Text ist von ständiger Unruhe geprägt. Es wird fast alles, was Valeska Gert erlebt hat, zur Sprache gebracht, aber nichts mit größerer Ausführlichkeit. Immerhin sind 13 Zeilen der Arbeit an der FREUDLOSEN GASSE von G. W. Pabst mit der „noblen Kollegin“ Greta Garbo gewidmet (S. 67), aber nur Zeile einer anderen Schlüsselrolle: „Ich war die Mrs. Peachum in der verfilmten Dreigroschenoper“. Schön zu lesen: die Begegnungen mit Sergej Eisenstein in Moskau, die Erlebnisse bei einem kurzen Aufenthalt in Hollywood, die Passagen über die Arbeit mit Federico Fellini an GIULIETTA DEGLI SPIRITI (1965). Ihre Beziehung zu dem Schauspieler Aribert Wäscher ist fester Bestandteil des Kaleidoskops. Man darf sich von der Geschwindigkeit der Lebenserzählung nicht außer Atem bringen lassen. Dann liest man ein spannendes Stück Kulturgeschichte. Mit einem Nachwort von Frank-Manuel Peter, zahlreichen Abbildungen in akzeptabler Qualität und einem Namensregister. Mehr zum Buch: ich-bin-eine-hexe.html

7 OHRFEIGEN (1937)

Dies ist eine sehr sehenswerte Screwball-Comedy aus Deutsch-land. Sie spielt in England. Der junge William Tenson MacPhab verliert durch einen Kursverfall des Stahlmagnaten Astor Ter-banks sein Vermögen, genau: sieben Pfund. Dafür will er sich beim Verursacher durch sieben Ohrfeigen rächen. Jeden Tag eine. Dies gelingt ihm auf originelle Weise. Auch der Einsatz von Terbanks Tochter Daisy zum Schutz ihres Vaters ist erfolglos – sie verliebt sich in William. Die letzte Ohrfeige gibt es in Gretna Green, dann kann mit Einwilligung des Vaters geheiratet werden. Ein Ufa-Film mit prominenter Beteiligung. Die Dialoge stammen von Curt Goetz und haben einen entsprechenden Pointenreichtum. Hinter der Kamera stand Konstantin Irmen-Tschet, wir sind nahe an den Figuren. In den Hauptrollen: das Traumpaar Lilian Harvey und Willy Fritsch, ihr Zusammenspiel ist herausragend. Alfred Abel als Astor Terbanks und Oskar Sima als Zeitungsreporter sind amüsant. Die Bauten stammen von Erich Kettelhut, zur Musik von Friedrich Schröder gehört das Lied „Ich tanze mit Dir in den Himmel hinein“ (in konzertanter Form). Paul Martin hat – wie schon im Jahr zuvor bei GLÜCKSKINDER – mit leichter Hand Regie geführt. Vom NS-Klima des Jahres 1937 ist nichts zu spüren. Bei Concorde ist jetzt die DVD des Films in restaurierter Fassung erschienen. Mit einem sehr informativen Booklet von Georg Seeßlen. Mehr zur DVD: a58eb7927c4d9

TRAUTMANN (2018)

Ein Biopic über eine Torwart-legende. Bert Trautmann (1923-2013) wird gegen Ende des Krieges von den Engländern in der Nähe von Manchester interniert. Bei einem Lebens-mittelhändler wird er als Ladenhilfe beschäftigt und darf bei einem Provinzteam als Torwart einspringen. Es gibt natürlich Vorbehalte gegen den „Nazi-Keeper“. Aber Trautmann ist integrierbar, bleibt in England auch nach seiner Freilassung und wird von Talent-Scouts von Manchester City entdeckt. Seine Karriere ist mit Rückschlägen verbunden, aber am Ende feiert er beim Cup-Final 1956 zwischen Manchester City und Birmingham im Wembley-Stadion einen Triumph, als er trotz schwerer Verletzung in den letzten 20 Minuten seiner Mannschaft den Sieg rettet. Die Sportebene des Films wird von einer privaten Geschichte begleitet, in der Trautmann und die Tochter seines ersten Trainers zu einem Paar werden. Der Film von Marcus H. Rosenmüller ist eine deutsch-britische Koproduktion. Die Atmosphäre der Nachkriegszeit wird erstaunlich gut getroffen, David Kross hat als Trautmann alle Sympathien auf seiner Seite, Freya Mavor spielt den Wechsel von Skepsis zu Zuneigung überzeugend. Ich habe den Film, der jetzt bei Capelight Pictures als DVD erschienen ist, mit großem Interesse gesehen. Mehr zur DVD: trautmann

Columbo

Ein 500-Seiten-Buch über die legendäre Hauptfigur der amerikanischen Fernsehserie aus der Zeit zwischen 1968 und 2003. Columbo ist Inspektor im Morddezernat des Los Angeles Police Departments. Er klärt insgesamt 69 Fälle auf, die uns vom Autor Michael Striss bestens strukturiert vermittelt werden: Ausgangssituation, Mordmotiv, Eintreffen von Columbo am Tatort, Täterprofil, Schwierigkeiten der Ermittlun-gen, Familie/Hund/Mitarbeiter, Auto und Fahrstil, Gesundheit und Ernährung, Tücken des Alltags, Banalitäten, wie Columbo die Täter zur Strecke bringt; das alles von S. 221-462. Sechs Kapitel führen zum Hauptteil hin: Die Geschichte des Columbo-Mythos inklusive genauer Antworten auf die Frage „Wer war Peter Falk?“, die Person Columbo (Name, Personalakte, das verkannte Genie, die physische Konstitution), das öffentliche Auftreten (Ankunft am Tatort, Servilität, Interesse am Banalen, Tücken des Objekts, Essgewohnheiten, fröhliches Pfeifen), weitere Mitwirkende (die starken Gegner, die unsichtbare Ehefrau, die große Verwandtschaft, der lethargische Hund, einflussreiche Freunde, überflüssige Mitarbeiter), Requisiten (Kleidung, Zigarre, Auto, Schusswaffen), die Waffen des Inspektors (endlose Fragerei, Zweckbündnis, oratio interrupta, Bagatellisierung, entscheidender Fallstrick, das letzte Wagnis); alles auf 180 Seiten. Die 69 Fälle werden jeweils mit Sternen bewertet (* = mangelhaft, **** = ein Höhepunkt). In der subjektiven Hitliste des Autors steht die Episode 53, RUHE SANFT, MR. COLUMBO, an erster, die Episode 60, BLUTHOCHZEIT, an letzter Stelle. Die Bewertungen werden einleuchtend begründet. Eine erste Fassung des Buches erschien 2007 als Book on Demand, jetzt ist eine gründliche Überarbeitung vom Büchner Verlag publiziert worden. Wunderbar, nicht nur für Columbo-Fans. Mehr zum Buch: der-mann-der-vielen-fragen/

Paris Calligrammes

Noch zehn Tage ist die Ausstel-lung „Paris Calligrammes – Eine Erinnerungslandschaft von Ulrike Ottinger“ im Haus der Kulturen der Welt zu sehen. Sie dokumentiert Fotos der Jahre 1962 bis 1968, die Ulrike in Paris verbracht hat. Es ist ein Blick zurück in die kulturelle Vielfalt einer lebendigen Stadt mit ersten Signalen der Studentenrevolte. Auch ihr neuester Film heißt PARIS CALLIGRAMMES. Zur Ausstellung ist ein wunderbarer Katalog erschienen, den Bernd Scherer im Verlag Hatje Cantz herausgegeben hat. Ulrike Ottinger unternimmt darin „eine kleine Flanerie“ durch Paris. Aleida Assmann beschreibt den neuen Film mit vielen Hintergrundinformationen. Laurence A. Rickels erinnert mit großer Empathie an die frühen Filme von Ulrike Ottinger. Zu lesen gibt es Drehbuchauszüge, zu sehen gibt es unendlich viele Fotos in hervorragender Druckqualität. Dies alles zweisprachig (Deutsch und Französisch) mit einer englischen Übersetzung im Anhang. Ich bin beeindruckt von der Ausstellung und dem Buch dazu. Mehr zum Buch: paris-calligrammes-7620-0.html

Die Elmore-Leonard-Story

„King of Cool“ haben Frank Göhre und Alf Mayer ihr wunderbares Buch über den Schriftsteller Elmore Leonard betitelt, das im Verlag Cultur-Books erschienen ist. Leonard (1925-2013) war einer der großen amerikanischen Krimi-autoren, hat 44 Romane publi-ziert, darunter auch acht Western, zahlreiche Drehbücher verfasst und wird endlich ein-mal angemessen gewürdigt. Denn dies ist natürlich keine konventionelle Biografie, sondern: „Ein Mix aus vielen Interviewäußerungen, Textpassagen, Nacherzählungen, Schlaglichtern, Bekenntnissen, Anekdoten, dazu Songs und Stimmen von außen, all das seinem Werk entlang aufgefächert, arrangiert wie eine große und vergnügliche Jamsession. Ein Leseabenteuer. Ein Lebensroman.“ (Vorwort, S. 10-11). Und es gibt viele Ausflüge in die Filmwelt, denn mehr als 30 Romane von Leonard wurden fürs Kino adaptiert, darunter THE TALL T (Regie: Budd Boetticher) mit Randolph Scott, 3:10 TO YUMA (Delmer Daves) mit Glenn Ford, MR. MAJESTIC (Richard Fleischer) mit Charles Bronson, GET SHORTY (Barry Sonnenfeld) mit John Travolta und Danny DeVito, JACKIE BROWN (Quentin Tarantino) mit Pam Grier und Samuel L. Jackson, OUT OF SIGHT (Steven Soderberg) mit George Clooney und Jennifer Lopez. Bei Leonard gibt es keine Serienhelden, sondern immer wieder wechselnde Milieus, Settings und Plots. Mehrfach sind die Schauplätze Detroit, Miami oder Atlantic City, aber wir machen auch Ausflüge nach Lateinamerika, Europa oder in den Nahen Osten. Ungewöhnlich: Leonard hatte einen Rechercheur, Gregg Sutter, der ihm viele Informationen verschafft hat, denen der Autor dann eine individuelle Form gab. Am Ende des Buches findet man eine „Bio-Bibliografie“, „Elmore Leonard’s 10 Rules of Writing“ und  Quellenverweise für alle Zitate. Ich werde jetzt mit Sicherheit einige Romane von ihm wiederlesen. Mehr zum Buch: die-elmore-leonard-story/