Das große Buch des kleinen Horrors

Es geht in dieser Enzy-klopädie um Killer-puppen und kleine Monster, die vor allem in amerikanischen B- und C-Movies Horror verbrei-ten. 181 Titel stellt Peter Vogl in alphabetischer Reihenfolge vor, erzählt den Inhalt in einer Kurz-fassung, äußert sich zu den formalen Qualitäten, vergibt einen bis fünf Sterne (19 Titel haben ein 5er-Rating), verweist am Ende auf „Besonder-heiten“, auf „Creative Killing“ und summiert die Leichen im „Kill Count“. Zwei Filme aus Deutschland sind dabei: KONDOM DES GRAUENS von Martin Walz und DER NACHTMAHR von Akiz (beide erhalten zwei Sterne). Der älteste Film stammt aus dem Jahr 1936: THE DEVIL-DOLL von Tod Browning, der jüngste aus dem Jahr 2018: THE REVENGE OF ROBERT von Andrew Jones. Auch wenn es nicht mein Genre ist, das hier lexikalisch aufbereitet wird: die Texte sind kenntnisreich und manchmal auch ironisch formuliert, die Abbildungen haben eine akzeptable Qualität. Mehr zum Buch: filetype=1

Eberhard Fechner

Er war als Dokumentarist und Spielfilmregisseur ein großer Erzähler deutscher Geschichte der vergangenen hundert Jahre. Neun Texte würdigen in diesem Buch, das Jan-Pieter Barbian und Werner Ružicka herausge-geben haben, das Werk von Eberhard Fechner (1926-1992). Dietrich Leder schildert ihn als Solitär und Einzelkämpfer. Julia Schu-macher sieht ihn als Teil der „Hamburger Schule“. Simone Emmelius würdigt DIE COME-DIAN HARMONISTST, Angela Haardt den Film DER PROZESS über das Majdanek-Verfahren. Jan-Pieter Barbian dokumentiert die Kontroverse um die Verfilmung des Romans „Winterspelt“ von Alfred Andersch. Oliver Hadji erinnert sich an eine Begegnung im Mai 1987 in Hamburg. Klaus Kreimeier hat eine „Nachrede auf Eberhard Fechner“ formuliert. Fritz Wolf erzählt von einem Fernsehen, das es einmal gab. Torsten Musial erschließt das Eberhard-Fechner-Archiv der Akademie der Künste: „Welche Spuren hinterlässt ein Mensch?“. Eine angemessene Würdigung mit Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: eberhard-fechner-ein-deutscher-erzaehler

Archive dekolonialisieren

Der Band dokumentiert die Bei-träge zu einem Symposium, das im Oktober 2017 an der Hoch-schule für Bildende Künste in Hamburg stattgefunden hat. Das Thema ist äußerst aktuell: einerseits geht es um die Funk-tion der Archive in der digitalen Zeit, anderseits um den Umgang mit kolonialen Beständen in den ethnografischen Sammlungen. Die 17 Texte sind alle sehr inter-essant. Zwei thematisieren den Film. Eva Knopf hat sich auf die Suche nach dem afrikanischen Kolonialsoldaten Mohamed Husen begeben, der in den 1930er und 40er Jahren Statist beim deutschen Film war. Ihr Dokumentarfilm MAJUBS REISE (2013) informiert darüber. Die Filmwissenschaftlerin Cornelia Lund hat Entdeckungen in den Filmarchiven „Instituto Nacional do Cinema e Audiovisual da Guiné-Bissau“ und im „Palestininan Film Unit“ gemacht, die sie in ihren Filmen OFF FRAME AKA REVOLUTION UNTIL VICTORY (2016) und SPELL REEL (2017) dokumentiert. Aber auch andere Beiträge sind außerordentlich lesenswert, zum Beispiel der Text „Fragen zur Kolonialität der europäischen Ästhetik“ von Ruth Sonderegger. Das Buch hat aus meiner Sicht eine große Bedeutung für die aktuelle Diskussion. 19 Autorinnen, 4 Autoren. Mehr zum Buch: archive-dekolonialisieren/

100 x Österreich: Film

100 Filme, die in Österreich spielen, dort produziert wurden oder an deren Realisierung Österreicher beteiligt waren, hat Christian Reichhold für dieses Buch ausgewählt und präsen-tiert sie in alphabetischer Reihenfolge, beginnend mit 00SEX AM WOLFGANGSEE von Franz Antel, endend mit WILDE MAUS von Josef Hader. Auf jeweils zwei Seiten werden die Handlung erzählt, die Produk-tionshintergründe und die Resonanz geschildert. Die meisten Filme (17) stammen aus den vergangenen neun Jahren, die wenigsten (3) aus den 70er Jahren. Die beiden ältesten Filme sind ORLAC’S HÄNDE von Robert Wiene und DIE STADT OHNE JUDEN von Hans Karl Breslauer aus dem Jahr 1924, die jüngsten Filme sind 3 TAGE IN QUIBERON von Emily Atef, ERIK & ERIKA von Reinhold Bilgeri und MURER – ANATOMIE EINES PROZESSES von Christian Frosch aus dem Jahr 2018. Mit je fünf Filmen sind Franz Antel und Willi Forst die am stärksten berücksichtigten Regisseure, gefolgt von Michael Haneke (4). Der erfolgreichste Österreich-Film ist natürlich THE SOUND OF MUSIC, 1964 von Robert Wise in Salzburg gedreht und im Lauf der Jahre von 1,2 Milliarden Menschen gesehen. Solche Zahlen konnte nicht einmal SISSI erreichen. Dokumentarfilme hat der Autor außer Acht gelassen, aber immerhin den experimentellen Film DIE PRAXIS DER LIEBE von Valie Export ausgewählt. CASABLANCA ist dabei, weil so viele Exil-Österreicher mitgewirkt haben. Die Texte zu den einzelnen Filmen sind flott formuliert, das Wort „Streifen“ wird allerdings etwas zu häufig benutzt. In einem “Vorspann“ geht es um die österreichische Filmgeschichte, in einem „Nachspann“ um Filme, die nicht berücksichtigt wurden. Mit zahlreichen Abbildungen (Fotos, Plakaten, Programmheften) in relativ guter Qualität. Mehr zum Buch: 100-x-oesterreich/

12 TAGE (2017)

Wer in Frankreich zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen wird, muss innerhalb von zwölf Tagen einen Gerichtstermin bekommen, bei dem juristisch entschieden wird, ob die Ein-weisung gerechtfertigt ist. Das Gesetz gibt es seit fünf Jahren. Raymond Depardon, früher als Fotograf tätig, inzwischen vor allem als Dokumentarfilm-regisseur ausgewiesen, erhielt die Erlaubnis, im Krankenhaus Le Vinatier in Lyon Anhörun-gen zu dokumentieren. Zehn sind in diesem Film mitzuerleben. Patient*in und Richter*in sitzen sich an einem Tisch gegenüber, es ist ein Anwalt dabei. Justiz und Psychiatrie erweisen sich dabei als nicht kompatibel, weil die Gesetzesvertreter nicht über die notwendigen medizinischen Kenntnisse verfügen, um die Rechtmäßigkeit der Einweisung beurteilen zu können. Der Film ist spannend, weil man auch als Zuschauer Urteile fällt und merkt, welche Rolle Sympathien oder spontane Antipathien spielen. Es gibt keinerlei Kommentar. Zwischen den Anhörungen sehen wir Momentaufnahmen aus den Anstalten. Beeindruckend! Bei Absolut Medien ist jetzt eine DVD des Films in Originalfassung mit deutschen Untertiteln erschienen. Als Geleitwort dient ein Zitat des Philosophen Michel Foucault: „Der Weg vom Menschen zum wahren Menschen führt über den Wahnsinnigen“. Mehr zur DVD: 4067/12+Tage

Ikonen des Films in „Lettre“ 123

Die Zeitschrift Lettre gehört für mich nicht zur Pflichtlektüre. Unser Freund Jochen Brunow hat mir die jüngste Ausgabe (Nr. 123) zugänglich gemacht, weil fünf Texte „Ikonen des Films“ gewidmet sind. Es beginnt mit einem Gespräch: Alain Delon erzählt Samuel Blumenfeld „Wie Helden sterben“. Die Lebens-geschichte des „Eiskalten En-gels“ liest sich spannend, weil Blumenfeld, Filmkritiker von Le Monde, gut fragt und Delon eloquent antwortet. Im zweiten Beitrag – „Verloren im Supermarkt“ – erschließt der Schriftsteller Andreas Martin Widman sehr persönlich und mit großer Kenntnis das Werk des Regisseurs Roland Klick: „Jenseits des Neuen Deutschen Films“. Ein toller Text! Im dritten Essay beschäftigt sich der Bremer Psychologe Michael Düe mit Leben und Werk von Ingmar Bergman („Bergman auf der Couch“). Er richtet den Blick auf die Theaterarbeit und interpretiert drei Filme (PERSONA, VON ANGESICHT ZU ANGE-SICHT und AUS DEM LEBEN DER MARIONETTEN) – in der Konklu-sion heißt das „Das Theater als Ehefrau, der Film als Geliebte“. Und: durch Bergmans Verzicht auf eine reale Psychotherapie blieb er Herr seiner eigenen Geschichten, er musste die Deutungshoheit nicht abgeben. Im vierten Text erzählt der italienische Schriftsteller Fabio Stassi, welche Welten sich für ihn bei der Lektüre von Frank Capras Autobiografie geöffnet haben. Der fünfte und längste Beitrag stammt von Georg Stefan Troller: „Die Comics meines Lebens“. Sie hießen Struwwelpeter, Tim & Struppi, Asterix und Fritz the Cat. Acht spannen-de Seiten mit der Schilderung persönlicher Begegnungen mit den Autoren und einer Comic-Historie, die weit über subjektive Erinnerun-gen hinausgeht. Im Literaturbereich von Lettre 123 gibt es einen beeindruckenden Text des Schriftstellers Wolf Reiser über den Roman „Alexis Sorbas“ von Nikos Kazantzakis. Danke, lieber Jochen, für die Konkretisierung des Lettre-Mythos. Mehr zur Zeitschrift: https://www.lettre.de

Carlos Thompson

Als Sohn einer deutsch-schwei-zerischen Einwanderungs-familie wurde Carlos Thompson 1923 in Argentinien geboren, drehte dort zwischen 1939 und 1953 15 Filme, wurde von Yvonne de Carlo nach Holly-wood geholt und machte in den späten 50er Jahren Karriere in der Bundesrepublik. Sein erfolg-reichster Film war DAS WIRTS-HAUS IM SPESSART (1958) an der Seite von Liselotte Pulver. Ab Mitte der 60er Jahre war er vor-wiegend als Schriftsteller tätig. Er heiratete 1957 die Schauspie-lerin Lilli Palmer, die 1986 in Los Angeles starb. Vier Jahre später nahm sich Thompson in Buenos Aires das Leben. Rainer Boller hat eine Biografie von Carlos Thompson verfasst, die kürzlich in der Verlagsallianz erschienen ist. Sie ist sehr gut recherchiert, schildert sein Leben, seine Filmarbeit und die späteren Tätigkeiten. Der Anhang enthält eine Filmografie mit Zitaten aus zeitgenössischen Kritiken. Die Abbildungen haben eine gute Qualität. Mehr zum Buch: der-edle-raeuberhauptmann/

Amateurfilm in der DDR

„Greif zur Kamera, gib der Frei-zeit einen Sinn“ ist das wohl definitive Buch zum Amateur-film in der DDR. Der Autor Ralf Forster ist Filmtechnikhisto-riker, arbeitet in verantwort-licher Stelle am Filmmuseum Potsdam und legt mit dieser Publikation seine Habilitations-schrift vor, die an der Philipps-Universität Marburg entstanden ist. Mehr als 10.00 Amateur-filme sind in der DDR entstan-den, sie spiegeln auf eigene Weise den Zustand und die Veränderungen der Gesellschaft, weil sie nicht in die staatliche Filmgesellschaft DEFA eingebunden waren, sondern eigene Weg gehen konnten. Sie zeigten Sehnsüchte und Hoffnungen, aber auch die Anpassungen an die Realität der DDR. Der Autor beschreibt die Strukturen des Amateurfilms im politischen Gefüge der DDR, die Produktions- und Freizeitpraxis des DDR-Amateurfilms, die internationalen Verbindungen und eine große Zahl ausgewählter Filme in den Genres Dokumentarfilm, Spielfilm, Film-Satire und Belehrungsfilm. Eine beigefügte DVD präsentiert 16 Filmbeispiele, die im Buch genauer analysiert werden. Mit Abbildungen in guter Qualität. Band 3 der Reihe „Film-Erbe“. Mehr zum Buch: .XDcSR-kqtW8 

Familienbilder

Der Band dokumentiert die Bei-träge zu einer Tagung, die im Mai 2016 in der Katholischen Akademie Schwerte stattgefun-den hat. Vier Texte richten ihren Blick auf einzelne Filme. Ulrike Volkmer untersucht den Film ELTERN (2013) von Robert Thalheim („Wie die Liebe zu Kindern Gestalt wird“), Peter Hasenberg befasst sich mit Struktur und Themen in Philip Grönings DIE FRAU DES POLIZISTEN (2013; „Die Familie als Liebesraum und Gewaltherd“), Reinhold Zwick reflektiert über Ruben Östlunds HÖHERE GEWALT (2014; „Schnee-balleffekt im Familienkosmos“), Markus Leniger äußert sich zu dem Film SCHWESTERN von Anne Wild (2014; „Eine Sommerkomödie über Familie, Berufung und Sehnsuchtsorte“). Von Franz Günther Weyrich stammt ein Beitrag über Familien im Kurz(spiel)film („Family Shots“). In zwei Texten geht es um Familienbilder in TV-Serien: Peter Hasen-berg untersucht die britische Serie DOWNTON ABBEY („Eine ein-fachere Welt?“), Stefan Leisten die Daily Soap GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN („Es bleibt doch alles in der Familie“). Stefan Ort resümiert, was Kirche und Pastoral(theologie) mit Blick auf die Familie vom Film lernen können („Überall Enge?“). Die Texte haben ein hohes Niveau. Mit Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: familienbilder.html

Aufruf zur Solidarität

Der Sänger und Schauspieler Ernst Busch (1900-1980) hatte in den letzten Jahren der Wei-marer Republik eine große Prä-senz und engagierte sich für das proletarische Kino. Anna Weber untersucht in ihrer Master-arbeit, die an der Universität Zürich entstanden ist, in zwei Fallstudien die Filme NIE-MANDSLAND von Victor Trivas und KUHLE WAMPE ODER WEM GEHÖRT DIE WELT? von Slatan Dudow. Es geht dabei um die Filmmusik von Hanns Eisler und um Ernst Busch als Sänger und Schauspieler. In einem abschließenden Kapitel konfrontiert die Autorin die ästhetischen Ideen von Georg Lukács („NIEMANDSLAND und das mitfühlende Publikum“) mit dem filmästhetischen Konzept von Bertolt Brecht („KUHLE WAMPE und das distanzierte Publikum“). Ihr Text ist erkenntnisreich und führt zu einem sehr differenzierten Bild der Persönlichkeit von Ernst Busch. Mit kleinen Abbildungen in akzeptabler Qualität. Mehr zum Buch: weimarer-republik.html