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Medienreflexion im Film

2014.MedienreflexionDas Buch ist mit Verspätung erschienen, was angesichts des Umfangs und der Kom-plexität des Themas gut zu verstehen ist. 32 Autorinnen und Autoren haben 26 Texte beigesteuert. Die theoreti-schen Ansprüche sind relativ hoch, und wenn man sich in das Buch vertieft, wächst der Respekt vor den Heraus-gebern. Kay Kirchmann (Erlangen) und Jens Ruchatz (inzwischen Marburg) lassen darüber schreiben, wie der Film die anderen Medien darstellt. Den Anfang machen drei Texte über die Darstel-lung der Vorgeschichte des Films im Film: Licht und Schatten, Laterna magica und Camera obscura, Mikroskop, Teleskop, Fernglas, Brille. Dann geht es um die filmische Konstruktion von Verwandtschafts- und Konkurrenzverhältnissen: die Darstellung des Theaters im Kino, die Malerei im Film, den Comic im/als Film, die Fotografie im Film, Fernsehen und  Video im Film, das mobile Aufzeichnen. Kapitel 3 ist der filmischen Konstruktion von Differenz-verhältnissen gewidmet: Schrift und Blindenschrift, Pinsel, Feder und Schreibmaschine, Dichtung, Brief, Postkarte und E-Mail in filmischer Reflexion, die Zeitung im Film, Film und Tätowierung (auf das Thema wäre ich nicht unbedingt gekommen), Diagramme und Karten, Computer im Film. Dann folgen weitere mediale Funktionen: Radio, Grammophon, Schallplatte und CD, das Telefon und der Anruf-beantworter (ein schöner Text). Es geht weiter mit Telegrafie und Telefax, speziellen Reproduktionsmedien und, ja, dem Geld. Den Abschluss bildet eine Utopie: die Darstellung nicht-existenter Medien als Medialitätsreflexion. Ich nenne einige Autorinnen und Autoren, die daran beteiligt sind: Stefanie Diekmann, Jan Distelmeyer, Oliver Fahle, Jörn Glasenapp, Lisa Gotto, Petra Maria Meyer, Norbert M. Schmitz, Thomas Weber, Hans J. Wulff. Es gibt unendlich viele Verweise auf Filme, aber leider kein Filmregister. Die Abbildungen sind akzeptabel. Titelbild: Marilyn Monroe in GENTLEMEN PREFER BLONDES. Nun muss das Handbuch sich als nützlich erweisen. Mehr zum Buch: medienreflexion-im-film?c=738

Dramaturgie und Ästhetik im postmodernen Kino

2013.Come and playEin „Vorgespräch“ der beiden Herausgeberinnen, Kerstin Stutterheim (Professorin an der HFF Konrad Wolf in Babelsberg) und Christine Lang (Künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HFF), eröffnet, sehr lebendig geführt, diesen Band. Und weil sich die HFF an der Praxis orientiert, bewegen sich die Beiträge nicht in einem theoretischen Nirgendwo. Neun Texte sind hier versammelt. Stutterheim definiert zunächst die Postmoderne und lässt dem Überlegungen zur Ästhetik des postmodernen Films folgen. Dann kommt der sehr filmkundige Philosoph und Psychoanalytiker Hinderk M. Emrich zu Wort, der über psychosoziale Perspektiven reflektiert. In sechs Beiträgen geht es um einzelne Filme: über Spiegel in THE BLACK SWAN (2010) von Darren Aronofsky schreibt Michael Geithner, Stutterheim greift noch einmal mit einer Analyse der filmischen Mittel in THE SHINING (1980) von Stanley Kubrick in die Diskussion ein, Eva-Maria Fahmüller beschäftigt sich mit der Dramaturgie in INGLORIOUS BASTERDS (2009) von Quentin Tarantino, Christine Lang untersucht Apichatpong Weerasethakuls SYNDROMES AND A CENTURY (2006) mit seiner dualen Struktur als Beitrag zum postmodernen „Weltkino“, Tobias Wilhelm entdeckt Fassbinders NIKLASHAUSER FART (1970) als Vorläufer der Postmoderne, und bei Karen A. Ritzenhoff geht es um mythische Figuren, Gewalt und Angst in Guillermo del Toros PAN’S LABYRINTH (2006). Nicht nur für Filmstudenten eine lesenswerte Lektüre. Die durchweg farbigen Abbildungen sind manchmal etwas klein geraten. Mehr zum Buch: come-and-play-with-us.html

Michael Ballhaus

2013.Ballhaus 2Der 30. Band der Film-Konzepte ist dem Kameramann Michael Ballhaus gewidmet. Die Herausgeberin Fabienne Liptay hat ein langes, inten-sives Gespräch mit ihm geführt, das am Ende des Bandes abgedruckt ist. Acht Texte umkreisen sein Werk und suchen spezielle Stilmerk-male. Der zentrale Essay stammt von Karl Prümm; mit großer Genauigkeit rekonstruiert er die Zusammenarbeit zwischen Ballhaus und Rainer Werner Fassbinder bei insgesamt 17 Filmen zwischen 1970 und 1978, von WHITY bis zur EHE DER MARIA BRAUN. Hier werden Entwicklungen beschrieben, Erfindungen analysiert und die sehr speziellen Spannungen zwischen einem bildbesessenen Regisseur und einem eigenwilligen Kameramann thematisiert. Zwei Texte spezifizieren die Arbeit für RWF: der Kunsthistoriker Christian Drude interpretiert die klaustrophilen Bilder nach Klimt in DIE BITTEREN TRÄNEN DER PETRA VON KANT, Susanne Marschall öffnet den Blick für die Bildvisionen in WELT AM DRAHT. Die Zusammenarbeit von Ballhaus mit Martin Scorsese beschreibt Matthias Bauer sehr konkret am Beispiel von drei Filmen. Ein kurzer Text über BRAM STOKER’S DRACULA stammt von dem Filmemacher Rudi Gaul. Drei Kameraleute – Stephan Vorbrugg & Diana Weilepp (beide sind Absolventen der Münchner HFF) und Rolf Coulange – haben jeweils ihre persönlichen Eindrücke von der Bilddramaturgie, der Bildersuche und den visuellen Konzepten von Ballhaus formuliert. Juliane Lorenz darf kurz für den physischen Erhalt des Filmerbes im digitalen Zeitalter werben. Nach dem Buch „Das fliegende Auge“ (Ballhaus im Gespräch mit Tom Tykwer, 2002, aktualisierte Neuausgabe 2011) hat es eine neue Ballhaus-Publikation natürlich schwer. Die Lektüre des 120-Seiten-Heftes ist sehr anregend und bringt auch neue Erkenntnisse. Mehr zur Publikation: neu_werke_default_film

Ekstase

Band 6 der „Projektionen. Studien zu Natur, Kultur und Film“, herausgegeben von Thomas Koebner. Und weil sein Horizont weit über den Film hinausgeht, gibt er auch dem Phänomen von Exaltation und Entrückung eine substantielle Tiefe. So reflektiert Susanne Gödde in einem höchst lesenswerten Essay über die dionysische Ekstase in der griechischen Antike, entdeckt Gert Sautermeister in einem großen Text Verbindungen einer Gegenkultur bei Bocciaccio, Nietzsche, Schiller, Beethoven, Klopstock, Gottfried Keller und Eichendorff und endet bei der Studentenbewegung. Was in der Konklusion noch keine Logik bekommt, erschließt sich spätestens beim Lesen. Eike Wittrock erinnert an moderne Tanzekstasen zwischen Form und Erfahrung. Und Thomas Koebners Beispiele der Ekstase im Film verweisen auf Langs METROPOLIS (die falsche Maria) und FURY, Bergmans SIEBTES SIEGEL, Renoirs FRENCH CAN CAN, Fellinis I VITELLONI, Fred Astaire, Gustav Machatys Drama EKSTASE, Pascal Ferrans LADY CHATTERLEY und Peter Weirs PICNIC AT HANGING ROCK. Koebner interpretiert die ekstatischen Momente der Filme und lässt ihnen dabei ihre Geheimnisse. Michelle Koch schreibt am Ende, eher kurz, aber komprimiert, über Rauschekstasen im Film. Wie schön, dass solche Motivschnitte, die über das Medium hinausweisen, in der (Film-)Literatur möglich sind. Mehr über das Buch: neu_werke_default_film.

Alles über Film

„Alles“ über Film auf 352 Seiten. Da muss sich ein Autor ziemlich kurz fassen und viel weglassen. Ronald Bergan ist Filmkritiker des englischen Guardian, hat Bücher über Eisenstein, Coppola und die Coen Brüder geschrieben, man kann ihn als kompetent ansehen. Seine Aufgabe: alles schnell auf den Punkt bringen. Gegliedert ist das Buch in sechs Kapitel. 1. „Die Geschichte des Films“, in Jahrzehnten periodisiert (50 Seiten). 2. „Wie ein Film entsteht“ (15 Seiten). 3. „Filmgenres“, 25 von Action bis Western (50 Seiten). 4. „Das internationale Kino“, 21 Länder und Erdteile, von Afrika bis Neuseeland (50 Seiten, drei über Deutschland, die USA werden ausgespart). 5. „100 Regisseure“, von Woody Allen bis William Wyler (75 Seiten); aus Deutschland: Fassbinder, Herzog, Lang, Lubitsch, Murnau, Ophüls, Pabst, Wenders. Konrad Wolf fehlt. 6. „Die 100 besten Filme“, chronologisch (90 Seiten); neun aus Deutschland: DAS CABINET DES DR. CALIGARI, NOSFERATU, METROPOLIS, DER BLAUE ENGEL, OLYMPIA, AGUIRRE – DER ZORN GOTTES, DIE EHE DER MARIA BRAUN, PARIS TEXAS, HEIMAT. Kein Film aus der DDR. Schwierig: der Umgang mit den deutschen Titeln ausländischer Filme. Manchmal sind sie so blöd, dass man sie inzwischen vergessen hat. Dominant: rund 700 Abbildungen. Verpackt ist das Buch in einer Filmdose. Das definiert es als Geschenk. Mehr über das Buch: /alles_ueber_film-1773/.

Pola

Eigentlich hieß sie Barbara Apolonia Chałupiec, wurde 1897 in Polen geboren, klaute einer Lyrikerin den Namen Negri, kam 1918 als Schauspielerin nach Berlin, wurde durch Ernst Lubitsch zum Stummfilmstar (CARMEN, MADAME DUBARRY, SUMURUN), folgte dem Regisseur 1924 nach Amerika, hatte dort Affären mit Chaplin und Valentino, aber wenig Erfolg im Kino, kehrte 1934 nach Deutschland zurück, drehte mit Willi Forst den Film MAZURKA, fuhr 1938 wieder nach Amerika und beendete dort ihre Karriere. Sie war eine Diva mit vielen Widersprüchen. Die Berliner Autorin Daniela Dröscher (*1977) hat das fiktionale Kapital des Negri-Lebens gespürt und daraus einen Roman gemacht: „Pola“. Er erzählt seine Geschichte – die Suche nach Anerkennung und Erfolg – aus der Perspektive der 1930er Jahre, anfangs in L.A., später weitgehend in Berlin. Zum Personal gehören im ersten Kapitel Marlene Dietrich und Mercedes da Costa, David O. Selznick und Louis B. Mayer, dann geht es, schon auf deutschem Boden, weiter mit Willi Forst, Arnold Pressburger, Emil Jannings, Albrecht Schönhals, dem Kanzler und dem Minister (die Namen Hitler und Goebbels werden ausgespart), mit Polas Mutter Eleonora und mit fiktivem Personal, angeführt von dem jungen, schönen Hermann Braun, mit dem es eine längere Liaison gibt (eine Assoziation zu Maria Braun ist beabsichtigt). Eingeschoben sind Rückblenden in die Kindheit und Jugend. Die eruptiven Gefühle der Hauptfigur bringen sie in Schwierigkeiten mit der Politik, das ist spannend zu lesen. Viele Fakten sind gut recherchiert – und wenn etwas nicht ganz stimmen sollte, kann sich die Autorin darauf berufen, dass es sich ja um einen Roman handelt. Sein Thema ist die Blindheit der Selbstliebe. Und die Welt des Films. Andreas Platthaus hat für die FAZ eine kritische Rezension geschrieben: 11874578.html