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04. September 2018

Abschied von Helmut Merker

Mehr als dreißig Jahre war er Filmredakteur beim WDR in Köln und hat dort als bekennen-der Cineast zusammen mit Georg Alexander, Werner Dütsch, Wilfried Reichart und Roland Johannes Aufbauarbeit für den Umgang mit künstlerischem Film im Fernsehen geleistet. Die von ihm seit Januar 1978 be-treuten „Filmtips“ sind legendär, sie waren für ihn „eine Autoren-sendung, in der ein Kritiker im Sinne Bazins dem Zuschauer ‚den Schock des Kunstwerks’ vermittelt“. Sein Interesse galt auch entfernten Regionen, zum Beispiel Asien, und er war kampflustig bei der Debatte über die Qualität von Kinofilmen. 2007 ging er in den Ruhestand, zog nach Berlin in die Pariser Straße, schrieb Texte für die taz und den Tagesspiegel (vor ein paar Wochen noch ein schönes Porträt von John Cassavetes). Er war Stammgast in Pressevorführungen und liebte das Kino bis zuletzt. Seine zweite Leidenschaft galt dem Fußball. Die Erfolge und Misserfolge seiner Arminia Bielefeld hat er in Zeitungsartikeln archiviert, seit dem 19. August 1956, also seit seinem 14. Lebensjahr. Er war ein obsessiver Leser, seine Bibliothek umfasste drei- bis viertausend Bände. Und er konnte sehr gut Skat spielen – zu einer festen Runde mit ihm ist es leider nicht gekommen. Am Wochenende ist Helmut Merker im Alter von 76 Jahren gestorben. Wir werden ihn nicht vergessen.

Helmuts Thesen zur Filmkritik im Fernsehen kann man hier nachlesen: verstehen-als-sinnliches-vergnugen/