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13. April 2017

Abschied von Michael Ballhaus

2017.BallhausEr war einer der großen deut-schen Kameramänner. Er bevor-zugte die Berufsbezeichnung „Director of Photography“, weil sie auch seine internationale Bedeutung zum Ausdruck brach-te, denn er hatte ja auch in Amerika herausragende Filme gedreht und war dreimal für den Oscar nominiert. Michael Ballhaus ist gestern in Berlin gestorben. Darüber bin ich sehr, sehr traurig. Wir kannten uns seit 1969. Michael war damals Dozent an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, hatte mehrere Filme mit Peter Lilienthal gedreht und stand am Beginn einer Karriere. Ab 1970 war Rainer Werner Fassbinder sein wichtigster Regisseur. Sie haben 15 Filme zusammen realisiert. Sein internationaler Ruhm begann 1985 mit dem Film AFTER HOURS von Martin Scorsese. Er hat dann in Hollywood u.a. mit Mike Nichols, Frank Oz, Steven Kloves, Francis Ford Coppola, Robert Redford und Wolfgang Petersen zusammengearbeitet. In den 90er Jahren ergab sich eine größere persönliche Nähe zwischen uns. Ich habe mehrfach Veranstaltungen mit ihm moderiert, 2001 haben wir ihm eine kleine Ausstellung im Filmmuseum gewidmet, und 2006 war er ein „Pate“ in dem Film AUGE IN AUGE, den ich mit Michael Althen gedreht habe. Er hat damals über die Zusammenarbeit mit Fassbinder gesprochen, die ungewöhnliche 360°-Fahrt in dem Film MARTHA beschrieben und verschiedene Szenen aus der EHE DER MARIA BRAUN in Erinnerung gerufen. Als wir das Gespräch gefilmt haben, lebte seine Frau Helga noch, die im September 2006 gestorben ist. Später fand er in Sherry Hormann eine Partnerin, die ihm in den letzten Jahren viel bedeutet hat. Wunderbar sein Buch „Das fliegende Auge“ (2002), basierend auf Gesprächen mit Tom Tykwer. Zusammen mit Claudius Seidl hat er 2014 die Autobiografie „Bilder im Kopf. Die Geschichte meines Lebens“ publiziert. Es war damals mein Filmbuch des Monats April: michael-ballhaus/. Rosa von Praunheim hat mir gerade ein Gedicht zur Erinnerung an Michael gemailt: „Wenn Augen sprechen / erzählen sie von Gangstern und Zitronen / und von einem Mann / der sie verstanden hat / er hat sie auf einen Tisch gelegt / und hat gewartet, bis sie fliegen konnten / dann ist er um die Welt gereist / und hat uns alle so bezaubert / dass wir jetzt reich sind / an zauberhaften Bildern / die uns begleiten in die Ewigkeit. / Der schönste Mann der Welt, / so süß und freundlich seine Hände / wenn er die Kamera berührte / und sie auch nachts in seinen Armen hielt. / Ab heute wissen wir, dass er unsterblich ist.“