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28. Mai 2014

Helma Sanders-Brahms

2014.HelmaGestern ist die Filmemacherin Helma-Sanders-Brahms im Alter von 73 Jahren in Berlin gestorben. Sie hat in den letzten Wochen vergebens um ihr Leben gekämpft. Helmas Tod tut mir persön-lich weh. Wir kannten uns seit 1972, als sie sich (leider erfolglos) um einen Studienplatz an der DFFB bewarb. Die Mehrheit der Kommission glaubte, dass sie auch ohne Filmstudium Erfolg haben werde. Sie hatte bereits den Dokumentarfilm ANGELIKA URBAN, VERKÄUFERIN, VERLOBT (1969) und den Fernsehfilm GEWALT (1970) gedreht. Es folgten viele Spiel- und Dokumentarfilme, die sie in aller Welt bekannt machten. Zu ihren wichtigsten Filmen gehören UNTER DEM PFLASTER IST DER STRAND, SHIRINS HOCHZEIT und DEUTSCHLAND, BLEICHE MUTTER, die in ihrem Heimatland leider unterschätzt wurden. Zuletzt drehte sie 2008 den Film GELIEBTE CLARA. Für viele Publikationen der Deutschen Kinemathek, die ich als Herausgeber betreut habe, konnte ich sie als Autorin gewinnen, denn Helma schrieb klug und eigensinnig. Ich habe ihre Texte über Lubitsch und Murnau und vor allem über das Jahr 1945 sehr bewundert. Sie schrieb eigene Bücher über Sternberg und Marlene Dietrich, Gottfried Benn und Else Lasker-Schüler. Norbert Grob hat 1992 eine Sammlung ihrer Texte ediert („Das Dunkle zwischen den Bildern“). Helma hatte ein historisches Bewusstsein, das spürte man in allen ihren Filmen, das war die Basis ihrer Texte, das prägte auch die Gespräche mit ihr. Sie war seit 1997 Mitglied der Akademie der Künste und hat sich immer wieder zu Wort gemeldet. Ich werde ihre Stimme, ihre Beharrlichkeit, ihre Kreativität sehr vermissen.